Mehr arbeiten heißt nicht automatisch mehr Geld

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Mehr arbeiten heißt nicht automatisch mehr Geld
Datum: 17.08.2017 - 09:06 Uhr

Deutschlands Sozial-, Abgaben- und Transfersystem ist ungerecht. Das ist ein offenes Geheimnis und um dies zu erkennen hätte es keiner besonderen Studie bedurft. Doch manchmal bringen Studien Details ans Licht, mit denen belegt wird, WIE ungerecht diese Systeme in Deutschland sind. Denn ganz besonders diejenigen, die ohnehin trotz eines Vollzeitarbeitsplatzes kaum genug Einkommen haben, um damit auskommen zu können, werden in diesem Land extrem benachteiligt. 

Viele Geringverdiener machen, weil sie ein so geringes Grundeinkommen haben, Mehrarbeit, leisten Überstunden oder arbeiten zusätzlich an Wochenenden. Doch der Staat langt ihnen, je mehr sie arbeiten, noch tiefer in die Tasche. Schuld daran ist nicht nur die progressive Einkommenssteuer, die, sobald ein bestimmter Grenzwert überschritten ist, erbarmungslos zuschlägt. Viel gravierender ist, dass Haushalte von Geringverdienern mitunter Zuschüsse erhalten, sei es Wohngeld oder einen Kinderzuschlag. Doch sobald durch Mehrarbeit ein bestimmter Grenzwert beim Einkommen überschritten wird, werden diese Zuschläge zurück gefordert.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung, die in einem Bericht bei »n-tv« umfangreich erläutert wird, stellt fest, dass zum Beispiel bei einem Singlehaushalt mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 17.000 Euro von jedem zusätzlich verdienten Euro nichts übrig bleibt. Hätte der selbe Single aber ein jährliches Bruttoeinkommen von 75.000 Euro (und die gibt es in Deutschland wirklich), blieben von jedem Euro mehr immerhin 56 Prozent in der Haushaltskasse. Doch noch gravierender ist, dass bei vielen Haushalten jeder zusätzliche Brutto-Euro effektiv eine Verschlechterung auf der Netto-Ebene darstellt. Einfach ausgedrückt: mehr Brutto - weniger Netto. So lohnt sich Leistung ganz sicher nicht. 

Sven von Storch

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