Macrons Rentenpläne stoßen auf harten Widerstand

Veröffentlicht:

Macrons Rentenpläne stoßen auf harten Widerstand
Datum: 05.12.2019 - 09:12 Uhr

In Frankreich geht 14 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Rentenkassen. Der Beitragssatz für die Rente liegt bei 28 Prozent vom Bruttoeinkommen, das sind fast zehn Prozent mehr als in Deutschland. Dafür dürfen Franzosen ab 62 in den Ruhestand gehen (mit geringen Abzügen) und erhalten im Durchschnitt mehr als 1.600 Euro Rente, in Deutschland waren es im Vorjahr gerade einmal 906 Euro. Das kostet natürlich Geld; Geld, das Frankreich nicht hat. Zumal das Rentensystem in Frankreich mit seinen Querbezuschussungen und Verästelungen bezüglich der Geldströme alles andere als übersichtlich ist.

Macron, einst Frankreichs Liebling, geht das alles zu sehr an den Geldbeutel und ist zu undruchsichtig. Er will eine Rentenreform durchführen, basierend auf einem Punktesystem. Jeder Euro, der von einem Arbeitgeber in die Rentenkasse gezahlt wird, soll den gleichen Wert haben, unabhängig vom Berufszweig des Arbeitnehmers. Für etaige Ausfallzeiten (Erwerbslosigkeit, Kindererziehung oder Krankheit) sollen Solidaritätspunkte gutgeschrieben werden.

Das klingt im ersten Moment fair, sorgt aber bei den Gewerkschaften für Alarmstimmung. Das Vertrauen in Macron ist derart gering, dass geargwöhnt wird, der wolle im ersten Schritt die Lebensarbeitszeit der Franzosen verlängern um in einem zweiten Schritt danach die extrem hohen Renten zu kürzen. Vor allem die Vertreter der Bahn und der Pariser Verkehrsbetriebe, beide mit Sonderregeln für den Ruhestand (Renteneinstieg mit Mitte 50, Durchschnittsrente bei etwa 2.500 Euro) versehen, wollen an ihren Pfründen festhalten und kündigen für den Fall der Umsetzung der Macronschen Pläne einen Generalstreik an.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.