Lügenpresse durch linke Studenten hoffähig gemacht
Lügenpresse durch linke Studenten hoffähig gemacht
Datum: 11.10.2016 - 11:25 Uhr
Bei fast jeder Berichterstattung über eine Pegida-Demonstration oder einer AfD-Kundgebung sind sie klar zu vernehmen: die Rufe »Lügenpresse«. Gerichtet sind sie meist an die linksorientierten Vertreter der Qualitätsmedien und den Berichterstattern der per Zwangsabgabe finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Unisono erklären beide Empfangsgruppen, dass dieser Begriff seinen Ursprung bei den »bösen Populisten«, den »Rassisten« und dem »Pack« habe. Aber auch wenn man, bewusst oder fahrlässig, die Unwahrheit stets wiederholt, so bleibt sie doch die Unwahrheit.
Der Begriff »Lügenpresse« ist weit davon entfernt, seinen Ursprung im 21. Jahrhundert bei den Pegida-Demonstrationen zu haben. Gebe es ein Urheberrecht auf politische Parolen, so dürften Bismarck&Co. dieses für sich in Anspruch nehmen. Sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg wurden die Medien des Kriegsgegners als »Lügenpresse« tituliert. Nach dem Zusammenbruch des »Tausendjährigen Reichs« verschwand der Begriff in der Mottenkiste.
Rudi Dutschke und seine Genossen aus der 1968er-Studentenbewegung dürfen das Recht der erstmaligen und intensiven Verwendung dieses Begriffs in Friedenszeiten für sich reklamieren. Bei den Demonstrationen gegen den Axel-Springer-Verlag tauchte erstmals auf diversen Plakaten und in Kundgebungen der Begriff auf. Damit wurde die einseitige, tendenziöse Berichterstattung des Verlags und seiner Medien gegen die Studenten und deren Proteste (Vietnamkrieg, Schah und viele weitere Themen) kritisiert.
Nachdem sich viele 1968er im Laufe der Jahre dann mit dem System arrangiert haben und sich teilweise gut dotierte Posten in der bundesdeutschen Wirtschaft oder Politik (zum Beispiel Joschka Fischer) verschafft hatten, verloren sowohl der Protest wie auch die Bewegung insgesamt an Energie. Die Revolution fraß nicht ihre Kinder; die Kinder arrangierten sich mit dem System und verrieten dadurch ihre Ideale. So verschwand auch der Begriff der »Lügenpresse« für viele Jahre aus der öffentlichen Wahrnehmung.
Bis zu jenem Tag, als die Menschen im Land sich wieder gegen die von der Regierung begangenen Rechtsbrüche zur Wehr setzten und auf die Straße gingen. Sie verstanden sich, wie die Studenten der 1968er auch, als »außerparlamentarische Opposition« (APO) und kritisierten sowohl die Verletzung von Gesetzen, Rechtsvorschriften und multinationaler Abkommen durch die Merkel-Regierung wie auch die einseitig, tendenziöse Berichterstattung über ihre Proteste. Es wurde und wird, wie damals durch die Springer-Presse auch, nicht neutral berichtet, sondern durch die Medien und viele Politiker ein Zerrbild dieser Demonstranten dargestellt.
Sei es nun, dass die Berichterstatter und ihre Vorgesetzten es nicht besser wissen und die nötige Sorgfaltspflicht bei den Recherchen außer Acht lassen oder das sie bewusst ein falsches Bild von den Demonstranten und deren Ansinnen zu Papier bringen oder über den Äther senden: ihre Berichte entsprechen nicht dem, was die Menschen auf die Straße treibt. Genau so, wie ihre Berichte über die Quelle des Begriffs der »Lügenpresse« nicht der Realität entsprechen. Und weil sie immer wieder unter Beweis stellen, dass ihre Berichte mitunter knapp bis deutlich an den Fakten vorbei gehen, werden sie sich auch zukünftig den Ruf »Lügenpresse!« ausgesetzt sehen. Einer Wortkreation, die ihre Verwendung im zivilen Leben der am stärksten linksorientieren Personengruppe, die es je auf deutschem Boden gegeben hat, verdankt.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment