Lauterbach verfällt bei seinem Hitzeschutzplan in bekannten Schnellschuss-Modus

Veröffentlicht:

Lauterbach verfällt bei seinem Hitzeschutzplan in bekannten Schnellschuss-Modus
Datum: 27.06.2023 - 12:08 Uhr

Heiße Tage im Sommer sind in unseren Breitengraden keine Seltenheit und auch keine Erfindung der Klimawandler. Viele Menschen erinnern sich, dass es in ihrer Schulzeit öfter einmal Tage mit »Hitzefrei« gab, weil die Temperaturen derart hoch war, dass der Aufenthalt im Klassenzimmer unerträglich wurde. Dann wurden die Badeklamotten gepackt und ab gings ins nächste Freibad oder zum Badesee. Das war damals auch noch bedenklos möglich, selbst für junge Mädchen und Frauen. »Kulturbereichernde Goldstücke« gab es damals nämlich noch nicht.

Vor allem aber sorgte der Familienverbund dafür, dass ausreichend auf bestimmte Gefahren hingewiesen wurde und Alt und Jung mit den notwendigen Tipps versehen wurden: nicht zu lange in der direkten Sonne aufhalten, viel trinken und nicht überanstrengen. Das sind im Grunde genommen Selbstverständlichkeiten, für die es keines Hitzeschutzplans bedürfte.

Aber im Zeitalter der Egoismen, wo das Miteinander längst dem eigenen Vorankommen unterjocht wurde, wo das Zusammenleben in Familienverbünden mit mehreren Generationen als »rechts« bezeichnet wird oder aufgrund der vom Staat zu verantwortenden steigenden Wohnkosten schlicht und ergreifend unmöglich gemacht wurde, fällt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, dieses Füreinander Verantwortung übernehmen, mehr und mehr weg.

Wohl auch deswegen scheint sich Lauterbach nun berufen zu fühlen, einen staatlich verordneten Hitzeschutzplan ins Leben rufen zu dürfen. Wie eingangs erwähnt: grundsätzlich ist ein Hitzeschutzplan keine per se schlechte Idee. Aber Lauterbach will mit seinem Plan, der überdies in der Kürze der ihm vorschwebenden Zeit (noch diesen Sommer - und der begann vor fast einer Woche) keinesfalls umsetzbar ist, massiv in die persönlichen Freiräume der Menschen eindringen.

SMS sollen vor einer anrollenden Hitzewelle warnen. Das heißt, dass die warnende Institution Zugriff auf die Mobiltelefone nehmen kann. Denn schließlich müssten sich die zu warnenden Bürger mit dieser Rufnummer registrieren, sei es auch nur über eine App. Wer sich auch nur ein wenig mit Technik auskennt, weiß, dass dies ein leichter Einstieg zum Ausspionieren der Nutzer sein kann. Ein weiter Schritt hin zum gläsernen Menschen, dem Wunschtraum aller Regierenden.

Einfacher wäre es, vor einer sich nähernden Hitzewelle über TV, Radio oder öffentlichen Ausrufen zu warnen. Dann allerdings nicht mit nachträglich auf Effekthascherei ausgerichteten dunkelrot eingefärbten Wetterkarten, die schlicht und ergreifend unglaubwürdig wirken, sondern wertneutral als das, was sie sein sollten: eine Warnung.

Wobei auch hier der Teufel im Detail steckt. Die Wetterfrösche lagen in ihren Prognosen und Vorhersagen schon dermaßen oft und auch weit daneben, dass es fraglich ist, wie groß die Wahrscheinlichkeit einer prognostizierten Hitzewelle sein wird. Einmal ganz abgesehen davon, dass Lauterbach den Begriff der Hitzewelle an sich auch noch gar nicht näher definiert hat. Spätestens daran dürften sich ohnehin die Geister scheiden.

Und so ist es wie so oft bei ihm: eine vielleicht gar nicht einmal so schlechte Idee wird durch seine Schnellschüsse, seinen Panik-Modus, bereits im Ansatz ad absurdum geführt.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.