Lagarde will noch mehr Geld vernichten als Draghi

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Lagarde will noch mehr Geld vernichten als Draghi
Datum: 03.12.2019 - 09:34 Uhr

In den unterschiedlichen Ländern der EU und der Euro-Zone haben die Menschen auf unterschiedliche Weise ihren Weg für eine finanziell abgesicherte Altersversorgung ausgewählt. Hier in Deutschland gehörte seit gefühlten Ewigkeiten das mitunter belächelte Sparbuch dazu. Die Verzinsung des Sparbuchs war zwar weitaus niederiger als bei anderen, mitunter aber eben auch deutlich riskanteren finanziellen Transaktionsmöglichkeiten. Dafür aber waren Guthaben und Verzinsung garantiert. Das Geld war sicher und mehrte sich, wenn auch im bescheidenen Rahmen.

Doch mit dem Italiener Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) ging es den konventionellen deutschen Sparbüchern und Sparguthaben nach und nach an den Kragen. Das lag nicht zuletzt daran, dass in Italien die Sparbuchkultur längst nicht so weit verbreitet ist. Dort geht man ganz andere Wege der finanziellen Alterssicherung. Unter anderem ist der Anteil der zunächst auf Kredit erworbenen Immobilien im Privatbesitz deutlich höher als in Deutschland. Statt Geld anzulegen, um es später in Immobilien anzulegen, werden in Italien erst einmal Schulden gemacht, die man im Laufe seines Lebens zurückzahlt - oder, wenn man auf den Staatshaushalt Italiens schaut, auch nicht.

In Frankreich ist man eher geneigt, dem italienischen Vorbild nachzueifern. Auch hier werden oftmals erst Schulden gemacht, die dann ein Leben lang sukzessive abgebaut werden. Eine Art Spar-Gen, wie es den Mitteleuropäern und ganz besonders den Deutschen eigen zu sein scheint, findet sich auch in Frankreich nicht. Daher ist es wenig überraschend, dass die aktuelle Präsidentin Christine Lagarde aus Frankreich, die zudem in der sogenannten Tapie-Affäre um veruntreute Staatsgelder schuldig gesprochen wurde, kaum einen Bezug zu Sparguthaben hat. Sie will den von Draghi eingeschlagenen Weg der Geldvernichtung weiter voran treiben, wie sie jetzt in einem Interview erklärt hat.

Wörtlich sagte Lagarde: »Es gibt eine Grenze, wie weit und wie tief man in den negativen Bereich vordringen kann. Ja, es gibt bei allem einen Boden, aber den haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht.«

Sven von Storch

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