Kein Ende in der Diskussion um Stadion-Beleuchtung in München

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Kein Ende in der Diskussion um Stadion-Beleuchtung in München
Datum: 23.06.2021 - 08:39 Uhr

In der bayrischen Landeshauptstadt ist eine Aktiengesellschaft ansässig, die sich unter anderem eine Fußballabteilung hält. Jene Balltreter und -fänger erhalten jedes Jahr ein millionenschweres Salär dafür, dass sie ihre Künste dem Volke vorführen. Einer dieser Millionäre ist Manuel Neuer, der auch in der Löw-Auswahl das Tor hütet und seit einigen Spielen jener Auswahl als Mannschaftskapitän eine Regenbogen-Binde zur Schau stellt. Heute Abend tritt die Löw-Auswahl im letzten Vorrundenspiel ihrer Gruppe im Rahmen der Fußballeuropameisterschaft in dem internationalen Stadion in der bayrischen Hauptstadt an. Die sollte nach dem Willen des Deutschen Fußballbundes (DFB) ebenfalls in den Farben des Regenbogens erstrahlen, der Europäische Fußballverband (UEFA) als Ausrichter der Veranstaltung untersagte die politische Kundgebung. Nun ist der Aufschrei hierzulande bei Mainstreammedien, einigen Altparteienpolitikern und Sportlern sowie Verantwortlichen groß.

Ganz besonders auffällig ist, dass sich auch und gerade Personen aus der bayrischen Landeshauptstadt lautstark zu Wort melden und am lautesten aufheulen. Dazu ist zu bemerken, dass jene eingangs erwähnte Fußballabteilung seit Jahren beste Beziehungen zu Qatar unterhält und jedes Jahr zu einem oder mehreren Trainingslagern in das Wüstenemirat reist. Qatar steht wegen massiver Verstöße gegen grundlegende Menschenrechte in der Kritik und soll die Bauarbeiter, die die Stadien für die im kommenden Jahr dort geplante Fußballweltmeisterschaft errichten, wie Sklaven halten. Vereinbarte Löhne seien nicht bezahlt worden, den Arbeitern aus Ost- und Südostasien seien die Personaldokumente abgenommen worden, sodass sie das Land nicht verlassen könnten. Qatar ist außerdem das Land mit dem weltweit höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf der Bevölkerung (31 Tonnen pro Kopf).

Dennoch scheinen sich vor allem jene süddeutschen Repräsentanten nicht an diesen Fakten zu stören. Ganz im Gegenteil, sie verteidigen ihre bestehenden guten Beziehungen zu Qatar bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Wenn aber ein EU-Land wie Ungarn ein Gesetz erlässt, um die Verbreitung von (homo-)pornographischen Darstellungen und Druckerzeugnissen an Kinder und Jugendliche zu untersagen, fühlen genau jene Repräsentanten berufen, aufzumucken. Übrigens: in Qatar gilt Homosexualität als ein Verbrechen. Nach Artikel 201 des Strafgesetzbuchs aus dem Jahr 1971 wird die sogenannte Sodomie – unabhängig vom Geschlecht – mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Plus einer von Fall zu Fall unterschiedlichen Anzahl an Peitschenhieben. Daran aber scheinen sich jene jetzt aufheulenden »Geister« nicht zu stören.

Sven von Storch

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