Katholischer Bischof empört sich über Veröffentlichung von Missbrauchszahlen
Katholischer Bischof empört sich über Veröffentlichung von Missbrauchszahlen
Datum: 13.09.2018 - 11:15 Uhr
Immer wieder wird die katholische Kriche durch Skandale erschüttert. In unschöner Regelmäßigkeit kommen Fälle von massivem sexuellem Kindesmissbrauch ans Tageslicht. Meist versucht die katholische Kirche auf Zeit zu spielen und hofft offenbar so, diese grauenhaften Taten vertuschen oder verschweigen zu können. Zumindest aber verweigert sie sich der aktiven Aufklärungsarbeit. Finden dann doch einmal Zahlen den Weg in die Öffentlichkeit, so reagiert man empört bei den dortigen Würdenträgern.
Eine Langzeitstudie mit dem Titel »Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz« hat aktuell genau diesen Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Der Spiegel hatte diese Studie in einem Vorabbericht veröffentlicht, der fast 3.700 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch nachweislich dokumentiert. Die Dunkelziffer dürfte vermutlich um ein Vielfaches höher liegen.
Selbst die kirchliche Informationsplattform »Domradio« zitiert aus dem Bericht wie folgt: »Die Opfer seien überwiegend männliche Minderjährige gewesen, mehr als die Hälfte von ihnen seien zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre gewesen. In etwa jedem sechsten Fall sei es zu einer Form von Vergewaltigung gekommen. Drei Viertel aller Betroffenen hätten mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden.«
Bei den Würdenträgern der deutschen katholischen Amtskirche aber ist man wenig angetan von dieser Veröffentlichung. Bischof Dr. Stephan Ackermann aus Trier ist der Beauftragte für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes der Deutschen Bischofskonferenz. Er kritisiert die Veröffentlichung der »vertraulichen Studie« als Indiskretion. Man wollte, so Ackermann, erst einmal intern über die Ergebnisse der Studie beraten. Die »verantwortlungslose Vorabbekanntmachung« sei ein schwerer Schlag, sagte Ackermann.
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