Kardinal Müller_ Kein Christ darf sich vom Rassismus verführen lassen
Kardinal Müller_ Kein Christ darf sich vom Rassismus verführen lassen
Datum: 10.06.2020 - 12:46 Uhr
In einem Interview mit kath.net äußerte der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, was er von den Aufständen in den USA halte.
»Es ist bekannt, dass in weiten Teilen der US-Gesellschaft das gute Zusammenleben der Bürger afrikanischer und europäischer Herkunft nicht ohne Spannungen abläuft. Allerdings gibt es auch Millionen, die sich um ein gutes Miteinander ehrlich und erfolgreich bemühen. Ich habe vor kurzem die tief beeindruckende Lebensgeschichte des ehemaligen Sklaven Augustus Tolton (1854-1897) von Harold Burke-Sivers (EWTN-Publishing 2018) gelesen. Trotz aller Hindernisse wurde der junge Tolton schließlich katholischer Priester, doch er musste auch in der Kirche mit vielen Vorurteilen kämpfen. Die Kirche ist durch Gottes Geist pfingstlich zusammengerufen aus den Menschen aller Sprachen und Kulturen. Aber dennoch müssen auch die Christen in ihren Köpfen und Herzen die überlieferten Vorurteile, die sie über die Erziehung und vorherrschende Mentalität einatmen, überwinden.«
Die die katholische Kirche ist klar: alle Menschen sind gleich, weil sie alle als Abbild Gottes geschaffen sind.
»Die Gottesebenbildlichkeit seit unserer Erschaffung und die Gotteskindschaft, die uns durch die Taufe geschenkt wird, sind für uns Christen die Grundlagen der Menschenrechte, die in die Liebe Gottes zu jedem Menschen hineinreichen. Es gibt aber auch viele Menschen anderen religiösen Glaubens oder Agnostikern, die von der Existenz Gottes nicht überzeugt sind oder nicht an ihn glauben im Sinne des jüdischen und christlichen Bekenntnisses. Sie müssten aber im Sinne des Philosophen Immanuel Kant zu der Einsicht kommen, dass eine Gesellschaft ihr Ziel, nämlich das Handeln aller nach dem Moralgesetz (kategorischer Imperativ), nur erreichen kann, wenn der andere Mensch nicht Selbstzweck ist. Niemals darf ein Mensch Mittel zum Zweck sein.«
Auf die Frage, ob er eine zumindest teilweise Verneinung der Menschenrechte im Zusammenhang mit der späteren Abschaffung der Sklaverei sehe, antwortete der Kardinal:
»Der Skandal war die Einführung der Sklaverei in Ländern christlicher Tradition, die sich später auf die Aufklärung so viel einbildeten. Doch erst viele Jahrzehnte nach der amerikanischen Verfassung wurde im Jahre 1865 das Verbrechen der Versklavung von Menschen verboten. Auch im russischen Zarenreich ist die Leibeigenschaft erst 1861 abgeschafft worden, ohne dass es in der Folge zur echten Gleichbehandlung der entwürdigten und geknechteten bäuerlichen Bevölkerungsmehrheit kam. Aber schauen wir auf den rassistischen Sozialdarwinismus im hochzivilisierten Deutschland zwischen 1933 und 1945, dann wissen wir zu welchen Exzessen falsches und unmoralisches Denken führt. ‚Denn aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen.‘ (Mt, 15, 19).«
Ein wirklicher Christ kann und darf sich von keinerlei Rassismus verführen lassen:
»Ich bete und hoffe, dass gläubige und engagierte Christen in keiner Weise sich vom Rassismus verführen lassen. Das wäre ein Verrat an ihrer Berufung. Die Meinung, dass diese oder jene Ethnie der andern überlegen sei, hat weder eine naturwissenschaftliche, noch eine geschichtlich-kulturellen Begründung und Rechtfertigung. Wir sind in der Wurzel des Menschseins, d.h. in Adam, gleich, weil wir im Schöpfungsakt sowohl unmittelbar zu Gott hin geordnet sind und – auch durch die Generationenfolge – eine Schicksalsgemeinschaft bilden, wie Paulus den Athenern erklärte. (Apg 17, 25) Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Es gibt nur einen einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus (1 Timotheus 2, 4f). Der Sohn Gottes hat unsere menschliche Natur angenommen. Zu unserem Heil gab er am Kreuz sein Leben dahin.«
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