Kanarische Inseln neues bevorzugtes Zielgebiet für Flüchtlinge
Kanarische Inseln neues bevorzugtes Zielgebiet für Flüchtlinge
Datum: 23.11.2020 - 10:12 Uhr
Malta will keine Schlepper-, Schleuser- oder Seenotrettungsschiffe mehr in seine Häfen lassen. Auch die aktuelle italienische Regierung lässt jene Schiffe nur noch in Ausnahmefällen anlanden. Die östliche Mittelmeerroute steht bei den für ihre Passage in die EU an Schlepper und Schleuser zahlenden euphemistisch als Flüchtlinge, Schutzsuchende oder mit anderen verschleiernden Begriffen versehenden Kunden, nicht mehr allzu hoch im Kurs. Vor allem deshalb nicht, weil die bisher bevorzugten Zielländer Malta und Italien aktuell nicht mehr mitspielen und insbesondere den selbsternannten Seenotrettern das Einlaufen in ihre Häfen untersagen.
Das westliche Mittelmeer stand bei den afrikanischen Migranten noch nie hoch im Kurs, auch wenn der Weg von Marokko nach Gibraltar recht kurz war. Aber das Anlanden an der dortigen Küste ist alles andere als einfach. Zudem gehört Gibraltar staatsrechtlich zu Großbritannien - und das steigt bekanntlich zum Jahresende aus der EU aus.
Als neues bevorzugtes Zielgebiet hat der »Asyltourismus« (kreiert 1978 vom SPD-Bundestagsabgeordneten Reinhard Bühling) nun die Kanarischen Inseln auserkoren. In den letzten Wochen sind dort Tausende von Migranten angelandet und verwandeln die Urlaubsinseln in ein einziges großes Lager. Die spanische Regierung weigert sich derzeit, die Angekommenen aufs Festland zu bringen. Man wolle nicht den Eindruck erwecken, die Inseln könnten als Sprungbrett auf den Kontinent dienen, heißt es dazu von der Zentralregierung in Madrid. Stattdessen verhandele man mit Marokko über eine Rücknahme der Migranten und einem Ende der Schleuser- und Schlepperaktionen. Die Entfernung von der marokkanischen Küste bis zu den Kanarischen Inseln beträgt nur 110 Kilometer. Zum Vergleich: von der libyschen Küste bis zur italienischen Insel Lampedusa ist es mit 210 Kilometern fast doppelt so weit.
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