Kampagne für nationale Solidarität
Kampagne für nationale Solidarität
Datum: 07.04.2020 - 12:55 Uhr
Die Talfahrt der türkischen Wirtschaft hält seit Monaten an. Schuld daran ist nicht zuletzt die fatale Außen-, Innen- und Wirtschaftspolitik des Alleinherrschers Erdogan. Die türkische Lira ist abgewirtschaftet, dere Tourismus, einst Devisenbringer Nummer Eins, liegt am Boden, Exportprodukte werden kaum noch hergestellt. Die letzte Möglichkeit, Geld aus dem Ausland in die Türkei zu bringen, waren Erdogans Erpressungsversuche mit den im Land befindlichen »Flüchtlingen«. Doch offensichtlich hat das trotz seiner Verbündeten Merkel nicht das Kapital in gewünschter Höhe in seine leeren Kassen gespült. Das finanzielle Tischtuch ist noch immer viel zu kurz, jetzt geht Erdogan auf Betteltour bei seinen Landsleuten.
Die Türkei startet »eine Kampagne zur nationalen Solidarität«, macht Erdogan selbst Werbung für seine Schnorrerei. »Das Ministerium für Arbeit, Familie und Soziales hat ein Spendenkonto eingerichtet. Den größten Beitrag versprechen wir uns von den großen Unternehmen.« Er selbst wolle mit gutem Beispiel voran gehen und sieben seiner Monatsgehälter spenden (insgesamt etwa 60.000 Euro).
Schuld an der Misere sei, natürlich, nicht seine Politik. Das Corona-Virus habe alle Pläne über den Haufen geworfen und umfangreiche Maßnahmen erforderlich gemacht, die Geld kosten. Aktuell sind in der Türkei rund 30.000 Erkrankte gezählt worden, gut 1.300 von ihnen sind in der Zwischenzeit genesen, knapp 650 Todesfälle wurden verzeichnet.
Erdogan »vergisst« zu erwähnen, dass sein Land bereits vor dem ersten Corona-Fall in der Türkei am 11. März wirtschaftlich am Boden lag. Seine Ankündigungen werden daher von der Opposition auch bestenfalls als halbherzig bezeichnet. Er möge 12 seiner 13 Flugzeuge verkaufen sowie seine Sommer- und Winterresidenzen und die Ausgaben für den Präsidentenpalast in Ankara um 50 Prozent reduzieren, so die Forderung. Damit wäre der Staatskasse mehr geholfen als mit der Spende von sieben Monatsgehältern.
Wer genau das Geld in den Topf einzahlen soll, ist in den Reihen von Fachleuten und Experten fraglich. So viele große Unternehmen, denen es wirtschaftlich ausreichend gut geht, gibt es in der Türkei aktuell nicht.
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