Jamaika will nicht länger den englischen Monarchen als Staatsoberhaupt
Jamaika will nicht länger den englischen Monarchen als Staatsoberhaupt
Datum: 19.09.2022 - 09:53 Uhr
Mit dem Tod der Queen zerbricht offensichtlich auch der Restbestand des ehemaligen »British Empire«. Schottland will die Unabhängigkeit, Nordirland will mit der Republik Irland vereinigt werden, Australien, Kanada und Neuseeland gehen der Krone von der Fahne und wollen Republiken werden (wir berichteten). Das ist aber erst der Anfang. Viele afrikanische und karibische Staaten, die viele Jahren von der britischen Krone als Kolonie ausgeplündert wurden und deren Bevölkerung im Name des jeweiligen Königs oder der jeweiligen Königin verfolgt, vertrieben, vergewaltigt oder gemordet wurden, fühlen sich nach dem Tod der Queen nicht länger an das Königshaus gebunden - und an den jetzigen König schon gleich gar nicht.
Jamaika könnte der Staat sein, der in dieser Hinsicht den ersten Schritt macht. Zwar hat man dort eine zwölftägige Staatstrauer zu Ehren Elizabeth II. angesetzt, aber Presseberichten zufolge soll danach die Ausrufung zur Republik und damit die vollständige Loslösung vom Königshaus vorbereitet werden. Jamaika wurde 1962 als Staat teilunabhängig und war nicht länger Kolonie.
Über 850 Jahre nach dem ersten englischen Überfall auf seine Nachbarn und kriegerischer Landbesitznahme (1171 begann die Invasion Irlands) mehren sich die Zeichen, dass fast alle Restbestände des »Empires« hinweggefegt werden. Es bleiben dann nur noch ein paar Eilande wie die Pitcairn-Inseln oder militärische Stützpunkte wie Akrotiri und Dhekelia auf Zypern neben den umstrittenen Gebieten wie Gibraltar oder den Falkland-Inseln (Malvinen) vor der argentinischen Küste übrig.
Selbst die bisher der Krone treu ergebenen Bermudas wollen nicht, dass der jetzige König von England ihr Staatsoberhaupt ist. Ähnliches gilt für die Karbikinseln Anguilla und Montserrat, die durch den Brexit mehr oder minder wirtschaftlich von ihren Nachbarinseln abgeschnitten wurden.
Zudem mehren sich die Forderungen aus vielen ehemaligen Kolonien, dass das Königshaus endlich die Verantwortung für die Verbrechen, die in seinem Namen in den damaligen Kolonien verübt wurden, übernimmt. Bisher verweigerte man sich im Buckingham Palast vehement gegen derartige Ansprüche.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment