Italien auf der Zielgerade vor der Wahl
Italien auf der Zielgerade vor der Wahl
Datum: 19.09.2022 - 10:31 Uhr
Italien hat nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs jede Menge Regierungen verschlissen. Mancher von ihnen war nicht einmal eine Amtszeit von einem Jahr vergönnt, mitunter hielt sie sogar nur wenige Wochen. Das könnte sich mit der Wahl am kommenden Sonntag ändern. Zumindest geben die Prognosen eine solche Annahme her.
Der Wahlsieger heißt aller Wahrscheinlichkeit nach Giorgia Meloni, Parteichefin der »Fratelli d´Italia« (Brüder Italiens). Je nach Umfrageinstitut liegt die FdI zwischen 24,4 und 24,8 Prozent. Auf dem zweiten Rang folgt die »Partito Democratico« (Demokratische Partei; vergleichbar mit SPD oder SPÖ) bei Werten zwischen 21,0 und 21,3 Prozent. Helfen werden ihnen diese verhältnismäßig guten Zahlen allerdings nichts, denn ihnen fehlt ein adäquater potenzieller Partner.
Den hat Meloni mit Salvinis Lega, die sich den Umfragen zufolge ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den »5-Sternen« liefert. Die Werte der Lega liegen zwischen 11,8 und 15,7 Prozent (eine erhebliche Spannbreite), die der 5-Sterne zwischen 11,5 und 12,3 Prozent.
Zu Meloni und Salvini stößt noch »Forza Italia« (Vorwärts Italien) von Silvio Berlusconi. Ihr Wert variiert in den Umfragen zwischen 7,5 und 9,1 Prozent. Erwähnenswert in der Vielzahl von sich zur Wahl stellenden Parteien sind noch die Prognosen für die neue Öko-Linke »AVS« (bis zu 4 Prozent), der liberalen »Italia Viva« von Matteo Renzi (zwischen 5,5 und 7,0 Prozent) sowie der neu gegründeten EU-kritischen »Italexit« (zwischen 2,4 und 3,6 Prozent).
Das Wahlrecht bezüglich der Sitzverteilung ist in Italien etwas kompliziert. Es werden drei Achtel der Sitze nach relativer Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen und fünf Achtel proportional verteilt, wobei für die Proporzsitze grundsätzlich eine Drei-Prozent-Hürde gilt. Allerdings gibt es jede Menge Ausnahmen, wie zum Beispiel für die Auslands-Italiener oder bezüglich der regionalen und sprachlichen Minderheiten. Deswegen wird erwartet, dass auch nach der kommenden Wahl wieder mindestens ein Dutzend Parteien sowohl im Abgeordnetenhaus wie auch im Senat vertreten sein werden.
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