In Deutschland sind arme Menschen von der Politik ausgeschlossen
In Deutschland sind arme Menschen von der Politik ausgeschlossen
Datum: 06.03.2017 - 10:00 Uhr
Für deutsche Altparteienpolitiker sind die armen Menschen in Deutschland kein Klientel, das sie in ihren Wahlkampf einbeziehen. Auch und insbesondere die selbsternannten Vertreter der sogenannten kleinen Leute haben längst den Bezug zu dieser Wählergruppe verloren. War es früher ein ungeschriebenes Gesetz, dass die CDU und FDP in erster Linie die Reichen und Wohlhabenden vertritt, die SPD die Arbeiter und kleinen Angestellten und Beamte als Zielgruppe hatte und die damalige PDS sich für das abgehängte Prekariat einsetzte, die Arbeitslosen, Kleinstverdiener und Sozialhilfeempfänger, so gehören diese Eckpfeiler längst der Vergangenheit an. Aus den Alleinstellungsmerkmalen der Altparteien ist ein undefinierbarer, formloser Einheitswust geworden, dessen Positionen beliebig austauschbar sind.
Die armen Menschen im Land, politisch korrekt ausgedrückt werden sie als »einkommensschwächste Bevölkerungsgruppe« bezeichnet, fühlen sich schon seit längerer Zeit von der Politik ausgeklammert. Keine Partei setze sich für ihre Belange ausreichend ein, ist die vorherrschende Meinung in diesem Personenkreis. Dementsprechend gering ist auch ihre Teilnahme am politischen Bildungsprozess und an den Wahlen.
Die »Zeit« geht aktuell mit einem Bericht auf diese Situation ein und zeigt in einem Schaubild auf, wie groß die Teilnahme an Wahlen in der einkommenstärksten Bevölkerungsschicht und der einkommenschwächsten Bevölkerungsschicht in verschiedenen Ländern ist.
Während in Chile fast alle Wahlberechtigten aus der unteren Einkommensschicht an den Wahlen teilnehmen (99,21 Prozent) und damit sogar einen höheren Wert erreichen als die »oberen 20-Prozent« (97 Prozent), zeigen die Zahlen in Deutschland erschreckende Ergebnisse auf. Die Gruppe der »oberen 20-Prozent« nimmt zu 88,9 Prozent an den Wahlen teil; die Gruppe der »unteren 20-Prozent« jedoch nur zu 65 Prozent. Und je ärmer ein Mensch ist, desto weniger engagiert er sich politisch, heißt es in dem Bericht.
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