Immer mehr Verbraucher in Deutschland durch EZB-Politik überschuldet
Immer mehr Verbraucher in Deutschland durch EZB-Politik überschuldet
Datum: 11.11.2016 - 07:31 Uhr
Die Schere zwischen arm und reich in Deutschland öffnet sich weiter. Während auf der einen Seite den deutschen Privathaushalten insgesamt 5,3 Billionen Euro an Geldvermögen zur Verfügung stehen, ist zeitgleich jeder zehnte deutsche Haushalt überschuldet. Mehr als 235 Millionen Euro an Verbindlichkeiten haben diese Haushalte angesammelt.
Das berichtet das »Handelsblatt« mit Bezug auf den Schuldenatlas von Creditreform und einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Die Quote der überschuldeten Haushalte liegt mit über 20 Prozent in Bremerhaven am höchsten. Auch in Wuppertal findet sich mit über 18 Prozent eine bedenklich hohe Quote. Von einer Überschuldung wird dann gesprochen, wenn die zu leistenden Gesamtausgaben über einen längeren Zeitraum höher sind als die Einnahmen und weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Insbesondere die Zunahme von Fällen mit hoher Überschuldungsintensität sei laut Bericht besonders alarmierend. Hier liegen gleich mehrere Negativmerkmale vor (Haftanordnungen, eidesstattliche Versicherungen oder Privatinsolvenzen), die es den betroffenen Personen quasi unmöglich machen, aus dem Teufelskreis der Überschuldung auszubrechen. Durch die Niedrig- und Nullzinspolitik der EZB für Sparguthaben ist auch in den nächsten Monaten nicht davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen in Deutschland sinken werden. Denn die Kreditzinsen für Verbraucher sind, anders als die Guthabenzinsen, nicht im gleichen Maße gesenkt worden.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat bereits Ende Juni 2016 gewarnt, dass eine Dreierkonstellation aus ungewöhnlich niedrigem Produktivitätswachstum, beispiellos hohen globalen Schuldenständen und einem äußerst engen wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum für eine Verschärfung der Lage und eine weitere Zunahme der Ver- und Überschuldung privater Haushalte sorgen könnte. Dieses im Bericht genannte »Trilemma« werde die Weltwirtschaft und damit auch die Verbraucher in eine neue ökonomische Abwärtsspirale führen. Die Bank forderte deshalb auch von den Staaten eine Abkehr vom »schuldenfinanzierten Wachstumsmodell« nach Vorbild Draghis.
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