Hochkonjunktur für das Denunziantentum in Deutschland
Hochkonjunktur für das Denunziantentum in Deutschland
Datum: 14.04.2020 - 12:37 Uhr
Es gab sie in Deutschland schon immer: die Menschen, denen nichts wichtiger zu sein scheint, als ihren Nachbarn nachzuspionieren, sie zu beobachten und anschließend zu verpetzen. Durch diesen Hang zum Denunziantentum sind in der deutschen Sprache Begriffe geschaffen worden, für die es in anderen Sprachen keine Entsprechung gibt, als es da der »Blockwart« und der »Abschnittsbevollmächtigte« sind. Sie waren dafür zuständig, dass in ihrem Bereich Alles und Jeder nahezu permanent unter Beobachtung stand. Dabei konnten sie sich auf die Zuträgerdienste besonders emsiger Bürger verlassen, denen dies sowohl eine Pflicht wie auch eine Freude war.
Diese Verhaltensmuster erleben durch den Aufruf der demokratiebeschneidenden Maßnahmen zur angeblichen Eindämmung der Corona-Krise gerade eine ungeahnte Renaissance. Landauf und landab wird wieder denunziert wie zu Zeiten der beiden sozialistischen Diktaturen auf deutschem Boden. Es wird angezeigt, als gäbe es eine Prämie, eine Art Kopfgeld. Doch nicht nur die Menge ist auffallend, auch der Inhalt der Anzeigen lässt den gesund denkenden Menschen nur mit dem Kopf schütteln.
Da werden Anzeigen vorgebracht, weil jemand im Hausflur beim Treppensteigen den Handlauf angefasst hat. Wenn sich beim Spaziergang zwei miteinander bekannte Pärchen zufällig treffen und wegen eines kleinen Gesprächs kurz stehenbleiben, wird sofort die Polizei alarmiert. Gehen die Eltern mit ihrem Sprößling nach draußen und ein Schulkamerad des Sohnes stößt hinzu, gellt sofort der Alarmruf: »Das Kind gehört nicht zu ihrem Haushalt!« Wenn der Junge dann nicht sofort weggeschickt wird, erfolgt die Anzeige. Auch anonyme Anzeigen über angeblich heimliche Gottesdienste haben Hochkonjunktur, ebenso wie viele andere nicht minder absurde Anzeigen.
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