Hans-Werner Sinn_ Enteignung des deutschen Sparers geht weiter

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Hans-Werner Sinn_ Enteignung des deutschen Sparers geht weiter
Datum: 02.11.2016 - 07:27 Uhr

Für die deutschen Sparer ist die von Mario Draghi zu verantwortende Null- und Niedrigzinspolitik auch weiterhin nichts anderes als eine Enteignung. Das sagt Finanzwissenschaftler Hans-Werner Sinn. Die Nichtverzinsung des angesparten Kapitals, alleine auf deutschen Sparbüchern ruhen rund 605 Milliarden Euro, sowie die Inflationsrate entwerten das in den meisten Fällen für die Altersvorsorge geplantes Kapital. Die Erträge aus diesem Sparvermögen werden, so Sinn, nicht im erhofften und erwarteten Umfang der Sparer ausfallen.

Das Modell der deutschen Altersvorsorge war über viele Jahre ein großer Erfolg. Das gelte heute aber nicht mehr. Früher sparten die Menschen während ihres Arbeitslebens für ihre Rente an. Die Erträge aus diesen Ersparnissen setzten sich bei einer normalen Verzinsung dann zu einem Drittel aus dem Nettobetrag des angesparten Vermögens, zu zwei Dritteln aber aus dessen Zins und Zinseszins zusammen. Diese zwei Drittel fallen bei einer Nullzinspolitik weg; und das angesparte Nettovermögen verliert durch die angestrebte Inflationsrate von zwei Prozent seinen Wert.

Gegenwärtig liegt die Inflationsrate im Euroraum bei 0,5 Prozent immer noch auf niedrigem Niveau, ist gegenüber des Vormonats um 0,1 Prozent gestiegen. Ausschlaggebend für diesen erwarteten Anstiegs ist die Entwicklung der Energiepreise. Im Jahresvergleich sind sie zwar weiterhin rückläufig; da aber der Rückgang deutlich geringer ausfiel als in den Vormonaten, kann die Verteuerung der Dienstleistungen nicht kompensiert werden. Die Verteuerung von Nahrungsmitteln schwächste sich etwas ab, die Preise für Industriegüter bleiben quasi unverändert.

EZB-Chef Draghi will diese niedrige Inflationsrate mit aller Gewalt auf die Zwei-Prozent-Marke anheben. Zu diesem Zweck hat er nicht nur die Zinsen für Guthaben auf Null gesenkt, sondern sogar eine Strafzahlung für angesparte Guthaben eingeführt. Außerdem greift die Europäische Zentralbank durch zahlreiche andere Maßnahmen massiv in den Finanzmarkt ein, um Draghis Utopie zu realisieren.

Mehr dazu hier: welt.de

Sven von Storch

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