Große Kapitulationswelle der Kandiaten in Frankreich
Große Kapitulationswelle der Kandiaten in Frankreich
Datum: 03.07.2024 - 10:54 Uhr
Die erste Runde der vorgezogenen Parlamentswahlen in Frankreich ging klar an Le Pen und ihre Nationale Sammlungsbewegung (Rassemblement National / RN). Doch dieses klare Ergebnis hat einen nicht geringen Haken: denn tatsächlich wurden von den insgesamt 577 Abgeordnetenmandaten erst 76 im ersten Wahlgang vergeben, die meisten dabei an die Kandidaten der RN. Um einen der 577 Wahlkreise zu gewinnen, muss im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen geholt werden. Gelingt das in einem Wahlkreis keinem der Kandidaten, kommt es zum zweiten Wahlgang, zur Stichwahl. Zu der darf sich jeder Kandidat melden, der im ersten Wahlgang in seinem Wahlkreis mindestens 12,5 Prozent der Stimmen bekommen hat. Im zweiten Wahlgang reicht dann die relative Mehrheit, also der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt den Sitz.
Genau hier liegt der Grund für die Kapitulation vieler Kandidaten, insbesondere aus dem öko-sozialistischen Lager, vor dem zweiten Wahlgang. Sie erreichten meist den dritten Platz in den Wahlkreisen, haben also keine echte Chance darauf, den Wahlkreis für sich zu entscheiden. Also hauen sie in den Sack, rufen aber aus dem Hintergrund ihre bisherigen Wähler dazu auf, im zweiten Wahlgang für den Kandidaten zu stimmen, der gegen den RN-Kandidaten antritt. Das sorgt für die fast schon politisch wahnwitzige Situation, dass sich Frankreichs Kommunisten mit den Liberalen und sogar den Erzkonservativen verbünden, um einen Sieg der RN zu verhindern. Eine Art unappetitlicher Einheitsbrei gegen Le Pen; ob das mit der Idee der politischen Meinungsvielfalt zu vereinbaren ist, ist mehr als zweifelhaft. Und ob sich die Franzosen davon wirklich leiten lassen, ist mindestens ebenso zweifelhaft.
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