Fußballprofi Philipp Lahm versucht sich als politischer Tugendwächter

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Fußballprofi Philipp Lahm versucht sich als politischer Tugendwächter
Datum: 04.04.2017 - 09:22 Uhr

Der deutsche Profifußball ist ein hartes Geschäft. Für viele ist es ein Traum, der sich aber nur bei sehr wenigen realisieren wird. Doch wenn man es einmal in die Bel-Etage dieses Gewerbes geschafft hat, dann eröffnen sich demjenigen ungeahnte Möglichkeiten. Auch finanziell. Gagen in Millionenhöhe garantieren eine relativ sorgenfreie Existenz, weitab von den Fallstricken und Herausforderungen des täglichen Lebens eines Normalsterblichen. Besonders bei dem Arbeitgeber von Philipp Lahm, dem FC Bayern München, erfreuen sich die Balltreter einer Rundum-Sorglos-Betreuung. Die geht so weit, dass sie nicht einmal ihre eigenen Fußballschuhe zu putzen brauchen.

Allerdings stehen Fußballer auch unter dem Verdacht, dass sie nicht immer die hellsten Kerzen auf der Geburtstagstorte sein sollen. Die eine oder andere Äußerung in der Vergangenheit belegt diese These auch eindrucksvoll. Als man Andreas Möller einmal zu seinen Wechselabsichten befragte, antwortete er: »Mailand oder Madrid ist mir egal; Hauptsache Italien.« Auch der einstige Mittelstürmer vom VfB Stuttgart, Fritz Walter, erschuf eine Stilblüte der ganz besonderen Art: »Der Jürgen Klinsmann und ich - wir sind schon ein gutes Trio...äh, ich wollte natürlich sagen Quartett.«

Nun reiht sich auch Philipp Lahm kurz vor dem Ende seiner aktiven Laufbahn in die Dampfplauderer ein. Er fühlt sich berufen, über die Politik in diesem Land befinden zu müssen. »Wir alle haben Jahre dafür gearbeitet, dass Deutschland ein weltoffenes Land geworden ist«, hat er gesagt. Und »Wir leben hier in einer gesunden Gesellschaft.« Diese Dinge dürften nicht verloren gehen, so Lahm.

Die »gesunde Gesellschaft« zeigt einer immer größer werdende Lücke zwischen Arm und Reich auf; immer mehr Menschen müssen als Mulitjobber versuchen, über die Runden zu kommen. Die Kinderarmut ist auf einem Rekordniveau, viele Rentner leben unterhalb der Existenzgrenze und halten sich durch das Sammeln von Leergut über Wasser. Die Anzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist seit September 2015 durch die Decke gegangen.

Aber ein Philipp Lahm, der die Abgeschiedenheit von der wirklichen Welt genießen darf, erlaubt sich über etwas zu befinden, von dem er keine Ahnung hat. Sein Karriereende naht und mit dem Posten des Sportdirektor bei seinem jetzigen Klub hat es nicht geklappt. Wer die große Bühne der Öffentlichkeit verlässt, dessen Ruhm verblasst sehr schnell. Und der wird schnell vergessen.

Sven von Storch

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