Freundschaft mit Europa, aber keine Vormundschaft!

Veröffentlicht:

Freundschaft mit Europa, aber keine Vormundschaft!
Datum: 16.04.2025 - 11:00 Uhr

Die Botschaft des US-Vizepräsidenten ist klar: Die USA wollen weiterhin mit Europa befreundet sein – aber nicht dessen Vormund sein. »Es ist nicht gut für Europa, ein dauerhafter Sicherheitsvasall der Vereinigten Staaten zu sein«, sagt JD Vance in einem Interview mit dem britischen Unherd. Er betont, er, Präsident Donald Trump und die gesamte Trump-Regierung seien »sehr frustriert« über die Entwicklungen auf dem Kontinent.

Vances Aussagen folgen auf eine Reihe kontroverser Äußerungen gegenüber Europa. Bei seinem bemerkenswerten Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang des Jahres griff er europäische Politiker an, die er als Europas inneren und schlimmsten Feind bezeichnete. Kurz darauf wurde ein interner Chat geleakt, in dem er als Reaktion auf die US-Bombardierung der Huthi-Rebellen im Jemen schrieb, er »hasse es, Europa erneut retten zu müssen«. Botschaften, die zu Spekulationen führten, der amerikanische Vizepräsident hege einen besonderen Groll gegen europäische Politiker.

Jetzt versucht er, die Rhetorik abzuschwächen – doch die Botschaft ist in der Praxis dieselbe. »Die europäische Bevölkerung verlangt weiterhin nach einer vernünftigeren Wirtschafts- und Migrationspolitik, und die europäischen Politiker bieten weiterhin das Gegenteil von dem, wofür sie offenbar gestimmt haben«, bemerkt Vance. Er kritisiert außerdem die Verteidigungsfähigkeit Europas, die seiner Ansicht nach stark vernachlässigt werde. Die meisten europäischen Länder verfügen nicht über Streitkräfte, die eine angemessene Verteidigung gewährleisten könnten.

JD Vance weist darauf hin, dass einige Länder – wie Großbritannien, Frankreich und Polen – noch immer über funktionierende Verteidigungssysteme verfügen, dass es sich dabei jedoch um Ausnahmen handele, die die Regel bestätigen: Europa sei vom amerikanischen Schutz abhängig geworden. Gleichzeitig argumentiert er, dass eine unabhängigere Haltung Europas in der Geschichte amerikanische Fehler hätte verhindern können. »Wenn die Europäer ein wenig unabhängiger gewesen wären und ein wenig mehr Bereitschaft gehabt hätten, sich zu wehren, dann hätten wir vielleicht die ganze Welt vor der strategischen Katastrophe bewahren können, die die US-geführte Invasion des Irak mit sich brachte«, sagt Vance. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg fordert er strategischen Realismus und ein Verständnis für die Ziele beider Seiten.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.