Freie Bahn für Abzocke durch Hütchenspieler
Freie Bahn für Abzocke durch Hütchenspieler
Datum: 09.01.2018 - 10:16 Uhr
Über viele Jahre waren sie ein fester Bestandteil des Berliner Stadtbilds: osteuropäische Hütchenspieler, die auf stark frequentierten Plätzen ihr fliegendes »Geschäft« anboten und bevorzugt Touristen abzockten. Erst mit der Schaffung der Ermittlungsgruppe Hütchenspiel (EGH) bei der Berliner Polizei und speziell dafür geschulten Beamten konnte dieser Wildwuchs zumindest partiell eingedämmt werden. Das Geschäft der zum großen Teil mazedonischen Banden konnte nur noch mit einem größeren Personalaufwand erfolgreich betrieben werden. Etliche Mitstreiter mussten als Aufklärungseinheiten im weiteren Umfeld des eigentlichen Spielers dienen, um vor anrückenden Zivilpolizisten zu warnen. Dadurch reduzierte sich der Gewinn erheblich.
Doch nicht nur beim Spiel an sich werden die Opfer abgezockt. Zu den Banden gehören auch trickreiche Taschendiebe, die sich in den Personenkreis gesellen und bei vorher ausbaldowerten Zuschauern lange Finger machen. Insgesamt besteht eine solche kombinierte Gruppe aus Abzockern und Langfingern in der Regel aus acht bis zwölf Personen, die sich die diversen Aufgabengebiete teilen. Während die Aufpasser und Diebe meist jüngeren Jahrgangs sind, sind die Spieler an sich in der Regel ältere Herren, die mitunter in Deutschland sogar Rente beziehen.
Am Checkpoint Charlie, am Alex, dem Pariser Platz, dem Kudamm und der East Side Gallery finden sie sich in großer Zahl ein und machen Jagd auf ihre Opfer. Dabei schrecken sie auch nicht vor Drohungen und Gewalttaten zurück. Versuche von Privatleuten, die Hütchenspieler zu filmen oder zu fotografieren, enden nicht selten mit Blessuren, Hämatomen und dem Verlust der Kamera respektive des Fotoapparats. Denn so gerne sich diese Banden auch in die Öffentlichkeit begeben, um ihrer einträglichen »Kunst« nachzugehen, so gerne möchten diese »Künstler« doch auch anonym bleiben.
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