Flick nominiert Kader für Katar

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Flick nominiert Kader für Katar
Datum: 11.11.2022 - 12:08 Uhr

Deutschland hatte über viele Jahrzehnte richtige Fußball-Nationalmannschaften. Ganz oben an der Spitze dieser Rangliste stehen natürlich die Recken, die am 4. Juli 1954 das Wunder von Bern ermöglichten. »Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt....Tor! Tor! Tor!« Jeder, der sich auch nur annähernd etwas mit dem deutschen Fußball beschäftigt, kennt diese Worte des Hörfunkkommmentators Herbert Zimmermann. Das war eine Nationalmannschaft damals. Diese Spieler repräsentierten das Land und die Menschen im Land; sie gaben ihnen eine neue Sichtweise auf sich selbst, sie trugen dazu bei, dass die Deutschen ein Stück aufrechter gehen konnten und sich nicht weiter ihrer Herkunft nur noch zu schämen brauchten. Die »54er« waren eine Nationalmannschaft; sie waren DIE Nationalmannschaft.

Auch die Teams von 1966 (Vizeweltmeister in England), 1972 (Europameister in Belgien) und 1974 (Weltmeister in Deutschland) waren Nationalmannschaften. Denn sie verkörperten die deutschen Tugenden: Eifer, Einsatz, Kampf, Durchsetzungswillen. Ja, es gab zu diesen Zeiten Mannschaften, die einen besseren und schöneren Fußball spielten; in den 1970ern waren es vor allem die Niederländer um »König« Johan Cruyff, die den Fußball zelebrierten. Die Holländer hatten ihren König, die Deutschen hatten ihren »Kaiser« Franz - und der brachte die Titel ein.

Es war vielleicht nicht mehr die so extrem tiefe Verbundenheit der Menschen im Land, die sie mit diesen Nationalmannschaften verband; jedenfalls nicht in Relation zu der 54er-Mannschaft. Aber es waren deutsche Nationalmannschaften. Weil die Spieler immer noch das auf dem Platz repräsentierten und widerspiegelten, was die Deutschen als ihre eigenen Tugenden warhnahmen. Ehrliche Arbeit, füreinander einstehen, Einsatz bis zum Umfallen. Und ist die Heraussforderung auch noch so groß: Ärmel hoch und los gehts.

Heute sieht man diese Einstellung bei den millionenschweren, wohlstandsverschimmelten, balltretenden Ich-AG´s schon lange nicht mehr. Mit solchen medial angepassten, auf Stromlinie gebürsteten und mit Haargel gestylten Schnöseln kann sich Otto Normalverbraucher längst nicht mehr identifizieren - und will es auch gar nicht mehr. Die »Scheiß-Millionarios«, die heute noch das Wappen ihres Verein theatralisch küssen, bloß um morgen schon einen Vertrag bei einem Verein, der ein paar Millionen mehr berapppt, zu signieren, können keine Identifikationsfiguren sein.

Wer heute eine deutsche Nationalmannschaft sehen will, der muss zum Eishockey gehen oder zum Handball. Die Jungs hauen sich noch rein für die Farben, für die sie antreten und für die Ehre.

Das was Flick da zusammengeschustert hat, um mit in die Wüste zu nehmen, ist keine Nationalmannschaft. Das ist ein Sammelsurium an Egomanen. Es ist eine Auswahl an DFB-Balltretern. Von einer Nationalmannschaft könnte das nicht weiter entfernt sein...

Sven von Storch

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