Extrem schwache Beteiligung bei Regionalwahl in Frankreich
Extrem schwache Beteiligung bei Regionalwahl in Frankreich
Datum: 22.06.2021 - 12:54 Uhr
Mit Spannung war die erste Runde der Regionalwahl in Frankreich erwartet worden, war es doch die erste große Wahl nach dem (bisherigen) Höhepunkt der Corona-Hysterie. Doch die Wähler in Frankreich interessieren sich aktuell kaum wirklich für Politik, wie es scheint. Nur jeder dritte Wahlberechtigte hat seine Stimme abgegeben, zu wenig, als dass die Wahl ein wirklicher Stimmungstest für die Präsidentschaftswahl in zehn Monaten dienen kann.
In den französischen Medien wird diese Wahlmüdigkeit, teilweise sogar als Wahlverdrossenheit, dem amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron angelastet. Mit seinen Entscheidungen, die er immer wieder gegen den Willen der Bürger durchgedrückt hat, hat er der Wahllethargie im Land massiv Vorschub geleistet, so die Kommentare. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr lag bei nicht einmal 40 Prozent, die aktuelle Beteiligung unterbietet diesen Negativrekord noch einmal deutlich.
Macron ist es recht: seiner Partei »La République en Marche« (LREM) fehlen der komplette Unterbau und die Strukturen, die andere Parteien vorweisen können. Je weniger Menschen zur Wahl gehen, desto besser fällt das Ergebnis für seine LREM aus. Und bis zur Präsidentenwahl im kommenden Jahr, so hofft er, kann dieses Defizit aufgeholt werden.
Allerdings hat Macron einen schweren Rechenfehler in seinen Kalkulationen: die konservativen Republikaner haben in der ersten Runde der Regionalwahlen überraschend stark abgeschnitten. Zwar nicht zuletzt deshalb, weil viele Anhänger von Marine Le Pen vom »Rassemblement National« (RN) schon angekündigt hatten, dass sie erst zum zweiten Wahlgang votieren werden, aber ein Achtungszeichen ist das starke Abschneiden der Konservativen auf alle Fälle. Für Macron und seiner Partei reichte es übergreifend jedenfalls gerade einmal zu 8,6 Prozent Stimmenanteil, nur knapp vor den Grünen.
Die einzige Region, bei der die Wahlbeteiligung deutlich höher war als der Durchshnitt, war Korsika mit fast 60 Prozent. Dort entfielen über 61 Prozent der Stimmen auf Parteien, die eine Unabhängigkeit Korsikas von Frankreich fordern. Merke: ein Präsident, den die Korsen akzeptieren, muss ein Korse ein (frei nach »Asterix auf Korsika«).
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