EU will dem schwedischen A-Traktor den Garaus machen
EU will dem schwedischen A-Traktor den Garaus machen
Datum: 04.11.2022 - 09:15 Uhr
Sie gehören zum Stadt- und Landschaftsbild Schwedens: optisch eigenwillige Fahrzeugkreationen, Mischungen aus PKW und LKW, Roadster nach US-Vorbild mit breiten Reifen und derart tiefergelegt, dass nur noch eine Briefmarke drunter zu passen scheint. Oder derart aufgebockt, dass es einer Leiter bedarf, um ins Fahrerhaus zu bekommen. Es sind mitunter die abenteuerlichsten Fahrzeuge, die da zusammengebastelt wurden. Manchmal aber findet sich auch ein ganz konventioneller Kombi aus schwedischer Produktion unter den Fahrzeugen, die - und das ist ihre Gemeinsamkeit - mit einem riesigen, reflektierenden roten Dreieck am Heck ausgerüstet sind.
Dieses Warnsymbol zeigt an, dass es sich bei dem Fahrzeug entweder um ein »EPA-Traktor« oder ein »A-Traktor« handelt. Ursprünglich wurden diese Fahrzeugkategorien eingeführt, damit technisch geschickte Schweden ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen können sollten, um aus den Teilen alter Traktoren funktionsfähige Landmaschinen, also wieder Traktoren oder Schlepper, herstellen zu können. Denn Fahrzeuge in Schweden waren (und sind es in Teilen heute noch) teuer und Mangelware. Unter bestimmten Vorausetzungen brauchten diese Fahrzeuge weder Zulassung noch Versicherung und konnten mit der A-Führerscheinlizenz gefahren werden. Die gilt üblicherweise für Zweiräder. Wichtig war, dass das umgebaute oder eigenkreiierte Fahrzeug maximal 30 km/h schnell sein durfte.
Die Schweden hatten schnell ihren Spaß an diesen Bastelfahrzeugen entdeckt und schraubten, schweißten, zwirbelten und dengelten, was das Zeug hielt. Nicht immer kamen dabei unbedingt Traktoren heraus, wie es ursprünglich gedacht war. Vor allem machten sich die Nordmänner und -frauen daran, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und »Schlitten« nach US-Vorbild auf die Straße zu bringen. Die schwedischen Behörden waren pragmatisch: so lange die Kreation nicht schneller fuhr als maximal 30 km/h galt es als Traktor; aus die Maus!
Jetzt versucht sich die EU wieder einmal als Spielverderber und will die Traktoren komplett verbieten respektive in einem ersten Schritt bestimmen, dass zum Führen eines Traktors nun die Führerscheinlizenz B (PKW-Fahrerlaubnis) notwendig ist.
In Schweden ist man bereit, auf die Barrikaden zu gehen und die Konfrontation mit Brüssel aufzunehmen. Es ist nicht das erste Mal, dass die EU sich aus Sicht Stockholms zu sehr in interne schwedische Gepflogenheiten einmischt. Als Brüssel vor dem Beitritt Schwedens zur EU von Stockholm verlangte, den Kautabak (»Snus«) wie in der EU üblich als Genussmittel zu versteuern und nicht wie in Schweden üblich als Lebensmittel, stand Stockholm kurz davor, auf den Beitritt zu verzichten.
Auch im Zusammenhang mit den bei Schweden beliebten »Surströmminge« gab es schon Reibereien zwischen Brüssel und Stockholm. Wobei diese - anders als beim Snus oder den A-Traktoren - durchaus nachvollziehbar sind. Der Geruch der Gärflüssigkeit in der Dose mit den Heringen ist nichts für empfindliche Nasen oder schwache Mägen. Hält man jemandem die Dose beim ersten Öffnen direkt unter die Nase, dann ist dessen anschließende Flucht garantiert.
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