Es hat sich gelohnt, für uns zu arbeiten

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Es hat sich gelohnt, für uns zu arbeiten
Datum: 30.08.2021 - 10:25 Uhr

Dr. Thomas Sarholz war 2005/2006 im Afghanistan-Einsatz. Er war Kommandant des Camp Warehouse in Kabul mit 2.400 Soldaten aus 20 Ländern und zusätzlich jeder Menge örtlicher Hilfskräfte, aus Vereinfachungsgründen jetzt »Ortskräfte« genannt. Dabei handelte es sich überwiegend um junge Männer, wobei, so wie es der ehemalige Oberst schreibt, beim Radio Andernach sogar junge Afghaninnen eingesetzt waren.

Diese, sowohl Frauen wie Männer, wussten ganz genau, wofür sie sich mit ihrem Einsatz entschieden haben und auch warum. Selbstlosigkeit, so wie sie von den deutschen Medien aktuell massiv propagiert wird, schreibt der Oberst, »war das Letzte, was diese Leute angetrieben hat.«

Die wussten ganz genau, welche materiellen Vorteile sie genießen konnten. Sie wurden für afghanische Verhältnisse fürstlich entlohnt, heißt es in dem Beitrag des ehemaligen hochrangigen Berufsoffiziers. Bei den Kontingentwechseln seitens der Soldaten wurden die »Ortskräfte« von dem abgehenden Kommando an das neue Kommando übergeben. Vor dem Abmarsch erhielten die afghanischen Hilfskräfte in der Regel von den abrückenden Soldaten jede Menge Kleidungsstücke, Schuhe und weiteren Materialien. Die in der Regel so gut wie neuen Ausrüstungsgegenstände aller Art konnten die Hilfskräfte dann vor Ort zu Geld machen, viel Geld. »Es hat sich also gelohnt, für uns zu arbeiten«, ist sich der vormalige Oberst sicher. Nicht nur sie selbst, auch ihre Familien, ihre Angehörigen, sogar ihre Clans, profitierten davon.

Weil die Hilfskräfte duch ihren Umgang mit den deutschen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan einen Einblick in das deutsche Leben bekamen und das auch überall herumerzählten, wollen die Afghanen jetzt selbstverständlich nach Deutschland. Sie wollen den Wohlstandsmagneten Deutschland erreichen, schreibt Sarholz. Und das, obwohl uns diese Menschen »innerlich verachten« - was sie aber aus den benannten Gründen niemals zugeben würden.

Abedruckt wurde der ganze Brief von Dr. Thomas Sarholz in der FAZ vom 26. August.

Sven von Storch

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