Erwerbsarmut in Deutschland auf Rekordkurs

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Erwerbsarmut in Deutschland auf Rekordkurs
Datum: 19.07.2017 - 09:07 Uhr

Jemand, der einen Vollzeitarbeitsplatz hat, sollte in der Lage sein, mit seinem Einkommen auch sein Auskommen zu haben. Sollte man glauben. vor allem dann, wenn man Merkel und Konsorten hört, die uns ja permanent die gleiche Leier vorspielen: den Menschen in Deutschland gehe es so gut wie nie. Doch eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung weist aus, dass immer mehr Bürger dieses Landes, trotz eines Vollzeitarbeitsplatzes, von einem Phänomen bedroht sind, das sich »Erwerbsarmut« nennt.

Ja, die Hans-Böckler-Stiftung gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund und daher sollte man sich solchen Studien auch mit der gebotenen Distanz nähern; unabhängig davon aber sollten die Zahlen dennoch aufrütteln. Denn es ist weniger die Quote der von Erwerbsarmut betroffenen und bedrohten Menschen in Deutschland, die alarmierend ist, als vielmehr die rasante Steigerungsquote dieses Personenkreises in den letzten Jahren. 

Dazu ein paar Begriffserläuterungen vorab: Erwerbstätig ist, wer mehr als sechs Monate eines Jahres arbeitet. Als armutsgefährdet gilt, wem in einem Haushalt weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. In Deutschland sind das weniger als 869 Euro pro Monat für Alleinstehende.

Derzeit liegt die Quote der in Deutschland betroffenen Haushalte bei knapp zehn Prozent und damit auf Höhe des EU-Mittelwertes. Aber in dem Zeitfenster von 2004 bis 2014 ist diese Quote hierzulande um 100 Prozent gestiegen; hat sich also in zehn Jahren verdoppelt - und steigt permanent weiter. Dabei müssten die Zahlen doch rückläufig sein, denn schließlich steigt die Zahl der Beschäftigten und der Arbeitsmarkt prosperiert. Doch immer öfter müssen Menschen Arbeitsverhältnisse eingehen, bei denen das Einkommen derart gering ist, dass der oben erwähnte Wert von 869 Euro nicht erreicht wird.

Sven von Storch

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