Erinnerung an den Mauerbau in Berlin

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Erinnerung an den Mauerbau in Berlin
Datum: 13.08.2019 - 10:03 Uhr

Dem SED-Regime gingen die Menschen aus. Viele hunderttausende verließen das damalige Mitteldeutschland, um die Fesseln der SED, Stasi, Bevormundung, Gängelung, Mangelwirtschaft und Unfreiheit abstreifen zu können. Die Demarkationslinie außerhalb Berlins war bereits in den Jahren zuvor nach und nach befestigt worden. Dort waren bereits Minen, Wachtürme, Patrouillen und der Einsatz von Schusswaffen Usus, um Menschen den Weg aus der Unfreiheit unmöglich zu machen. Das letzte Schlupfloch war Berlin - und bis einschließlich des 12. August 1961 wurde redlich davon Gebrauch gemacht.

Doch heute vor 58 Jahren schlug das SED-Regime zurück. In den frühen Morgenstunden ließ man NVA-Soldaten, Grenz- und Volkspolizisten sowie Betriebskampfgruppen ankarren, die zunächst als Menschenkette die Sektorengrenze blockierten. Unmittelbar nach deren Aufmarsch begannen Arbeiter damit, Stacheldraht entlang dieser Linie auszurollen, um den ersten Grundstein zur Befestigung zu legen. Aus jenen recht frühen Stunden stammt eines der bekanntesten Motive dieses Tages: der Mauersprung von Conrad Schumann.

Im Laufe des Bestehens dieses mörderischen Bauwerks wurde eine noch immer unbekannte Zahl von Menschen durch die Schergen des SED-Regimes getötet, beginnend bei Günter Litfin, dem ersten erschossenen Flüchtling, (der am 24. August 1961 hinterrücks erschossen wurde), über Peter Fechter, (der fast ein Jahr später bei einem Fluchtversuch bereits die Mauer erklommen hatte, den aber drei SED-Grenzer von der Mauer runterschossen, um ihn dann im Todesstreifen erbärmlich verrecken zu lassen), bis zu Chris Gueffroy, der am 06. Feburar 1989 bei seinem Fluchtversuch erschossen wurde.

Die erste Mauertote war Ida Siekmann, die bei dem Versuch, sich aus dem Fenster ihres Hauses abzuseilen, abstürzte und auf dem Weg ins Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. Der letzte Mauertote war Winfried Freudenberg, der mit seinem Ballon die Freiheit schon erreicht hatte, aber über Westberlin in den Tod stürzte.

Eine (nicht ganz vollständige) Liste der Mauertoten gibt es hier. Die Aufarbeitung gestaltet sich auch heute, 30 Jahre nach dem Ende des SED-Regimes, schwer. Die damals an den Mauermorden beteiligten Personen wurden und werden bis heute seitens der Partei gedeckt - auch wenn diese heute einen anderen Namen hat. Das ist wenig verwunderlich, finden sich in deren Reihen auch heute noch die Leute, die die Errichtung dieser einzig und allein auf Festsetzung der eigenen Landsleute ausgerichteten mörderischen Grenzanlagen für richtig halten und bis heute verteidigen.

Sven von Storch

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