Erdogan will Geld von der EU erpressen
Erdogan will Geld von der EU erpressen
Datum: 07.04.2021 - 09:00 Uhr
Recep Tayyip Erdogan träumt von einer Großtürkei in den Grenzen des Osmanischen Reichs um 1900; die Vereinigung aller Turkvölker in einem gemeinsamen Staat - das ist seine Utopie, wie er schon oft betont hat. Die Fakten sehen allerdings anders aus: Erdogan hat Teile Nordsyriens völkerrechtswidrig besetzt, provoziert seit Monaten einen diplomatischen Kleinkrieg gegen Griechenland und hat die Wirtschaft seines Landes komplett vor die Wand gefahren. Erdogan, der sich selbst gerne als eine Art Führerfigur darstellt, braucht Geld. Dringend!
Wie schon so oft spielt ihm da aktuell wieder einmal der mit Merkel ausbaldowerte Flüchtlingsdeal in die Hände. Gestern waren Ursula von der Leyen und Charles Michel als Vertreter der EU zum Besuch bei Erdogan. Sie wollten, so die offiziellen Verlautbarungen, einen möglichen Ausbau der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU ausloten. Und das nur kurze Zeit nach dem von Erdogan verkündeten Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention, welches Frauen und Kinder vor Gewalt schützen soll. In Istanbul fällt jeden Tag eine Frau einem sogenannten »Ehrenmord« zum Opfer: ein Mann mordet seine Frau, weil er der Ansicht ist, dass sie seine Ehre verletzt habe.
Wie wenig Erdogan von der Gleichberechtigung der Frau hält, zeigte sich auch beim Empfang selbst. Während Charles Michel, Chef des Europäischen Rates, auf einem Stuhl direkt neben Erdogan Platz neben durfte, wurde von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin und somit im weitesten Sinne die Vorgesetzte von Michel, auf dem Hundeplatz auf einem Sofa drapiert.
Medienberichten zufolge soll auch über die Weiterführung des von Merkel im Alleingang mit Erdogan abgeschlossenen Flüchtlingsdeal gesprochen worden sein. Details wurden dazu bisher nicht genannt, Experten gehen aber davon aus, dass Erdogan Geld will. Viel Geld, um seine marode Wirtschaft zu stabilisieren.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment