Dschaber al-Bakr ist tot. Doch war es wirklich Selbstmord_
Dschaber al-Bakr ist tot. Doch war es wirklich Selbstmord_
Datum: 13.10.2016 - 12:34 Uhr
Medienberichten zufolge soll sich al-Bakr mit seinem T-Shirt in seiner Zelle in der JVA Leipzig selbst erhängt haben. Dies soll, so schreibt die »Bild«, vom sächsischen Justizministerium bestätigt worden sein. Doch selbst die Bestätigung der Todesursache wie auch die weiteren Umstände werfen mehr Fragen auf, als sich aktuell Antworten finden lassen.
Aussagen seines Anwalts Alexander Hübner zufolge befand sich al-Bakr bereits seit seiner Verhaftung im Hungerstreik. Darüber hinaus habe er mehrfach Suizidabsichten geäußert, gab Hübner in einer ersten Stellungnahme gegenüber zahlreichen Medienvertretern zu Protokoll. Ohnehin ist es einfach absurd, bei einem mutmaßlichen Selbstmordattentäter keine Suizidabsicht erkennen zu können oder zu wollen.
Fakt ist, dass ein Terrorverdächtiger während der Untersuchungshaft von anderen Häftlingen abgesondert untergebracht und einer besonderen Sorgfalt seitens der Justizbeamten unterstellt wird. Dieses Vorgehen ist der breiten Bevölkerung spätestens seit der Verfilmung des Stammheim-Komplexes seit einigen Jahren bekannt.
Sollte ein Untersuchungshäftling, so wie in diesem Fall, sich in einem Hungerstreik befinden und zudem Suizidgedanken äußern, so wird dieser nach übereinstimmenden Angaben von Experten und Gefangenenpsychiatern einer permanenten Überwachung unterstellt. Permanent bedeutet in diesem Fall, dass der Häftling ununterbrochen beobachtet wird. Also 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Es gibt nach Angaben der Experten keinen Augenblick, auch nicht während der Nacht, in dem ein solcher Protagonist unbeaufsichtigt bleibt.
Das Erhängen mit einem T-Shirt ist ein etwas komplexerer Vorgang, als es sich im ersten Moment anhört. Baumwollfasern haben die Eigenschaft, dass sie sich bei hoher Gewichtsbelastung ausdehnen. Zudem lassen sie sich recht schwer zu einem festen, stabilen Knoten verdrehen. Der Tod wird bei dem Erhängen an einem Knoten aus Baumwollfasern definitiv nicht durch einen Genickbruch herbeigeführt (dazu ist der besagte Knoten zu instabil), sondern allenfalls durch die langsame Unterbrechung der Luftzufuhr. In einem solchen Fall tritt der Tod erst nach mehreren Minuten ein; ein Umstand, der bei einer permanenten Überwachung des Verdächtigen auszuschließen gewesen sein sollte. Und, das sollte auch bedacht werden, der Knoten müsste aufgrund der Dehnungseigenschaft des Materials, mehrfach nachgezogen werden.
Bei der aktuellen Berichterstattung wird darüber hinaus vollkommen außer Acht gelassen, dass es sich bei al-Bakr um einen gläubigen Islamisten gehandelt haben soll, der sich aufgrund seiner religiösen Überzeugung mit dem Gedanken getragen hat, einen Selbstmordanschlag zu verüben, um dann ins Paradies eingehen zu können. Ein Suizid, wie er gegenwärtig von den Behörden dargestellt und von den Medien pflichteifrigst publiziert und weitergetragen wird, widerspricht vollumfänglich den Glaubensgrundsätzen des Islam.
Fakt ist, dass mit dem Tod von al-Bakr die Ermittlungen gegen ihn eingestellt werden. Ein Großteil der Ereignisse um ihn und der von ihm der Mittäterschaft beschuldigten drei Landsleute, die ihn angeblich festgenommen und versandfertig der Polizei übergeben haben, bleiben somit vermutlich im Dunkeln.
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