Drastische Mieterhöhungen nach energetischen Renovierungen

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Drastische Mieterhöhungen nach energetischen Renovierungen
Datum: 10.08.2017 - 07:41 Uhr

Modernisierungsmaßnahmen bei Immobilien können mitunter sinnvoll sein. Wenn sie aber ineffektiv sind und für die Mieter zudem auch noch teuer, dann darf man ihnen durchaus kritisch gegenüber stehen. Das gilt insbesondere für die aktuelle Welle der sogenannten energetischen Sanierung. Ziel ist es, durch eine Fassadendämmung und dem Einbau neuer Fenster die Heizkosten für die Immobilie senken zu können. Diese Kostenreduzierung sollte die Mehrkosten für die Modernisierung weitestgehende auffangen. Theoretisch.

In der Praxis wurde dieses Ziel bei einer stichprobenartigen Untersuchung von über 200 energetisch modernisierter Wohnungen in Berlin komplett verfehlt. Die Mieten stiegen im Mittel der untersuchten Wohnungen um 42 Prozent, an der Spitze sogar um 200 Prozent. Das hat eine Analyse des Berliner Mietervereins ergeben. In effektiven Zahlen liest sich das so: die Mieten stiegen im Mittelwert um 186,37 Euro pro Monat. Die Ersparnis bei den Heizkosten lag im Mittelwert bei 214 Euro - pro Jahr!

Ausschlaggebend für das Missverhältnis der beiden Größen ist die Dämmung. Sie alleine kostet das Dreifache einer neuen Heizungsanlage und mehr als das Zehnfache einer Fenstersanierung. Doch eine Wohnwertverbesserung sei für die Mieter kaum wahrnehmbar, wird Mieterverein-Chef Reiner Wild in einer Meldung der »B. Z.« zitiert.

Sein Verein fordere, dass die von der Merkel-Regierung eingeführte Regelung, dass die Vermieter elf Prozent der Sanierungskosten auf die Mieter abwälzen dürfen, wieder abzuschaffen. Diese Regelung sei sozial unausgewogen und das Mietrecht sei in dieser Form »nicht mehr akzeptabel«, so Wild wörtlich.

 

 

Sven von Storch

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