Dortmunder Polizisten gehen mit ihrem Missmut an die Öffentlichkeit
Dortmunder Polizisten gehen mit ihrem Missmut an die Öffentlichkeit
Datum: 23.05.2023 - 10:45 Uhr
Im vergangenen August starb ein 16-jähriger Senegalese bei einem Einsatz der Polizeiwache in der Dortmunder Nordstadt. Seitdem sind die dort tätigen Beamten einer Art Kesseltreiben durch die eigene politische Führung ausgesetzt. Das sind unhaltbare Zustände, sagen die Beamten, und gehen jetzt an die Öffentlichkeit. Viele Beamte haben sich zu anderen Dienststellen versetzen lassen, von den noch im Revier beschäftigten 61 Beamten wollen 41(!) weg. Durch die Ausdünnung der Personaldecke sei ein regulärer Dienstbetrieb gar nicht mehr möglich. Schichten wurden um zehn Polizisten reduziert, teilweise könnten nur zwei Streifenwagen für die ganze Nordstadt (60.000 Einwohner) besetzt werden. Angeblich wolle die Führung für neue Kollegen sorgen, passiert sei aber nichts, so die Beamten.
Schlimmer als der personelle Notstand sei der Umgang der Führung mit den Kollegen. »Eine Unschuldsvermutung gibt es für uns nicht mehr. Es findet eher eine bewusste Kriminalisierung von Kollegen statt«, sagt einer der Beamten. Würden Vorwürfe gegen einen Beamten aus dem Kreis der Intensivtäter oder des linksextremen Klientels erhoben werden, würden die Beamten sofort fallen gelassen.
Außerdem sei die gesamte Wache dazu verdonnert worden, »möglichst wenig Migranten zu kontrollieren.« In einem Revier, wo der offizielle Ausländeranteil bei knapp 60 Prozent liegt, ist das beinahe schon eine Art Berufsverbot. Fast 11.000 Straftaten wurden im Jahr 2022 in der Dortmunder Nordstadt registriert. Es war nicht einmal möglich, einen mit Haftbefehl gesuchten auf einer von eben jenem Mann angemeldeten Demo festnehmen zu können. Das hätte »Bilder gegeben, die man jetzt nicht gebrauchen« könne.
Die Kollegen wollen weg, so das Ergebnis. Viele von ihnen hätten längst innerlich gekündigt. Wertschätzung gebe es keine und vor allem »keinen Respekt vor der schwierigen Arbeit«. Aus dem Polizeipräsidium gebe es wenig Rückhalt, heißt es. Im Gegenteil: Wer Kritik übe, werde zum Rapport zitiert. »Es herrscht eine komplette Verunsicherung«, so die Beamten. Viele machten nur noch Dienst nach Vorschrift. Begründung: »Wenn du jemanden festnimmst, es kommt zur Gegenwehr und du musst durchgreifen, dann bist du nachher noch der Dumme.«
Die Wache in der Dortmunder Nordstadt und ihre Beamten stehen beispielhaft, wie die verantwortlichen Altparteienvertreter mit ihren und unseren Polizisten umgehen. Sie werden verheizt und müssen die zahlreichen politischen Fehler ausbaden. Die weitaus meisten Polizisten draußen in den Revieren sind gute, aufrechte Polizisten. Klar, ein paar tumbe Schlägertypen gibt es auch, die sich von ehemaligen Berliner Innensenatoren gegen friedliche Demonstranten aufhetzen lassen. Aber in Relation zu der Gesamtzahl der Polizisten quer über das ganze Land verteilt, ist das ein verschwindend geringer Prozentsatz.
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