Die Waffen in Mariupol schweigen - endlich!
Die Waffen in Mariupol schweigen - endlich!
Datum: 23.05.2022 - 10:01 Uhr
Nach wochenlangen schweren Kämpfen kehrt nun Ruhe in die Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer ein. Die letzten in einem Stahlwerk der Stadt verbliebenen ukrainischen Einheiten haben die Waffen gestreckt und sich den russischen Streitkräften ergeben. Etwa 2.500 ukrainische Soldaten gehen in russische Kriegsgefangenschaft. Die Verletzten und Verwundeten wurden in Krankenhäuser verbracht, deutlich größer als ihre Zahl war aber die Zahl der Soldaten, die an Mangelerscheinungen litten. Sie wurden unmittelbar mit Getränken und Nahrung versorgt. Die von Selenskij in seinem sicheren Befehlsstand in Kiew immer wieder ausgegebenen Durchhalteparolen konnten letztlich die Frauen und Männer im Stahlwerk nicht mehr zur Weiterführung des sinnlosen Kampfes bewegen.
Ob sie für sich das an anderen Frontabschnitten von der russischen Armee unterbreitete Kapitulationsangebot in Anspruch nehmen können, ist fraglich. Andernorts durften ukrainische Soldaten, die ihre Waffen an die russischen Streitkräfte übergaben, nach der Waffenabgabe direkt wieder nach Hause gehen. Bei den Soldaten im Stahlwerk sollen sich aber auch etliche Mitglieder des ultranationalistischen Asow-Regiments befunden haben. Deren Vertreter haben sich in diversen Kanälen immer wieder selbst der brutalen Übergriffe gegen russische Kriegsgefangene gerühmt und die entsprechenden Bilder veröffentlicht. Fraglich, ob Moskau mit ihnen so großzügig verfahren wird, wie mit den einfachen ukrainischen Soldaten, die einfach nur ihre Waffen abgegeben haben.
Für Selenskij ist die Kapitulation der Soldaten in Mariupol mindestens ein PR-Desaster. Er hatte doch immer wieder behauptet, seine Streitkräfte würden in der Hafenstadt den Sieg davontragen. Die Fakten sehen anders aus. Dafür behauptet Selenskij jetzt, russische Truppen würden in Mariupol die Spuren ihrer angeblichen Kriegsverbrechen verwischen. Fakt ist: noch leben mehr als 100.000 Menschen in der Stadt; ohne Strom, ohne Trinkwasserversorgung, ohne Abwasserentsorgung, ohne medizinische Versorgung. Alle Ver- und Entsorgungskanäle kommen von oder laufen in Richtung der Ukraine und wurden auch von dort gesperrt. Jetzt versucht die russische Armee, so schnell wie möglich eine halbwegs funktionierende Infrastruktur für die in der Stadt verbliebenen Menschen zu errichten. Dabei muss natürlich auch Schutt und Schrott beiseite geräumt werden. Aber Selenskij versucht einmal mehr, verbal zu zündeln anstatt jetzt endlich den Weg an den Verhandlungstisch zu suchen.
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