Die Versenkung der Wilhelm Gustloff
Die Versenkung der Wilhelm Gustloff
Datum: 30.01.2020 - 12:52 Uhr
Die Sowjetarmee hatte Ende Januar 1945 große Teile Pommerns und anderer deutscher Ostgebiete überrannt. Vielen Flüchtlingen blieb nur noch der Weg über die Ostsee offen. Vom damaligen Gotenhafen (Gdingen, heute Gdynia) stießen Schiffe der Marine in See, Richtung Westen, vollgepackt auch mit Zivilisten. Rund 2,5 Millionen Menschen konnten so vor der Sowjetarmee in Sicherheit gebracht werden.
Das größte zu der Zeit in der Region operierende Schiff war die »Wilhelm Gustloff«, das ehemalige Kreuzfahrtschiff der »KdF«-Organisation, mit weit über 25.000 Bruttoregistertonnen. Zum Vergleich: Das 1943 in der Barentsee versenkte Schlachtschiff »Scharnhorst« hatte etwa 32.000 Bruttoregistertonnen. Die »Wilhelm Gustloff« war also leicht an ihrer Größe und an den Schraubengeräuschen zu erkennen und konnte mit anderen vor der Küste Pommerns operierenden Schiffen gar nicht verwechselt werden.
Am 30. Januar 1945 legte die Gustloff gegen Mittag mit weit über 10.000 Menschen an Bord von Gotenhafen ab. Die genaue Zahl der Personen an Bord ist bis heute unbekannt. Schätzungen gehen heute von knapp 9.000 Zivilisten, darunter überwiegend Frauen, Kinder und Alte, etwa 900 Marinesoldaten, 350 Marinehelferinnen und etwa 150 Verwundeten aus.
Sowjetische U-Boote kreuzten ebenfalls in den Gewässern, so dass einer der vier an Bord der Gustloff befindlichen Kapitäne vorschlug, mit dem schweren, großen Schiff in den flacherern Gewässern in Küstennähe zu verbleiben. Kapitän Friedrich Petersen aber ordnete an, dass das Schiff aufgrund der vielen an Bord befindlichen Menschen deutlich stärkeren Tiefgang habe und daher ins tiefere Gewässer ausweichen müsse.
Das sowjetische U-Boot S-13 unter Kommandant Alexander Marinesko ortete die sogar mit eingeschalteten Positionslichtern leicht auszumachende Gustloff, die für jedermann als ziviles Schiff zu erkennen war. Dennoch ließ Marinesko kurz nach 21.00 Uhr Ortszeit vier Torpedos auf das gegen U-Boot-Angriffe verteidigungslose Schiff abfeuern, von denen drei ihr Ziel trafen. Nur eine Stunde später sank die Gustloff, über 9.000 Menschen fanden den Tod in den eisigen Quellen der Ostsee.
Auch heute noch wird versucht, den Angriff gegen die Gustloff als im Einklang mit dem Kriegsvölkerrecht darzustellen. Begründet werden diese Versuche damit, dass sich kampffähige Soldaten und Kriegsmaterial an Bord befunden haben. Die gleichen Gründe wurden übrigens knapp 30 Jahre zuvor bei der Versenkung der »Lusitania« angeführt.
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