Die Türkei wird die besetzten Gebiete nicht verlassen
Die Türkei wird die besetzten Gebiete nicht verlassen
Datum: 29.04.2021 - 10:00 Uhr
Arayik Harutyunyan ist der Präsident der Republik Arzach, eines christlichen Staates im Kaukasus, genauer in der Region Karabach. 1994 erklärte die Republik Arzach seine Unabhängigkeit, die vor allem von der islamischen Regierung in Aserbaidschan neigert wurde. In der dortigen Hauptstadt Baku sprach man den Christen Arzachs das garantierte Selbstbestimmungsrecht der Völker ab. Vorausgegangen war am 10. Dezember 1991 eine Volksabstimmung in der Region, bei der sich 99,89 Prozent der Wählenden für die Unabhängigkeit ausgesprochen hatten.
In mehreren Verteidigungskämpfen gegen die Invasionstruppen aus dem benachbarten Aserbaidschan konnten sich die Truppen Arzachs einer Unterwerfung erwehren, so auch in einem knapp zwei Monate andauernden Krieg im Vorjahr. Mit einem massiven Aufgebot an Streitkräften rückten die islamischen Soldaten Aserbaidschans in gleich mehreren Abschnitten in das Territorium Arzachs ein, konnten aber trotz deutlicher Überlegenheit in allen Waffenteilen ihr erklärtes Ziel - die Unterwerfung der gesamten Region - nicht erreichen. Erdogans Türkei leistete Waffenhilfe und karrte sogar 7.000 islamische Söldner aus dem besetzten Nordsyrien heran. Die mussten einen hohen Blutzoll für Erdogans Interessen leisten.
Genau bei der Türkei setzt Arayik Harutyunyan an. Arzach musste Teile seines Staatsgebietes an die Invasoren abtreten, die türkischen Söldner sind in christliche Siedlungsgebiete einmarschiert. Bei den Waffenstillstandsverhandlungen im vergangenen November habe man »aus den Beispielen der Welt nicht die richtigen Lehren gezogen«. Die Türkei habe schon während des Krieges betont, dass sie auf Seiten Aserbaidschans an diesem Krieg teilnehme. Heutzutage propagieren türkische Beamte: »Gemeinsam mit Aserbaidschan ist es uns gelungen, die historische Gerechtigkeit zu lösen.«
Das sei zwar historisch völlig aus der Luft gegriffen, so Harutyunyan, aber jetzt bedürfe es einer intensiven Zusammenarbeit Arzachs mit Armenien und Russland. Er befürchtet, dass die Gier Aserbaidschans und der Türkei nach weiteren Territorien noch nicht befriedigt ist. Einen Rückzug der Türkei aus den okkupierten Gebieten schließt er generell aus: »Da wo die Türken erst einmal drin sind, kriegt man sie friedlich nicht wieder raus.« Auch das habe die Geschichte gezeigt.
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