Die personifizierte Unglaubwürdigkeit_ Martin Schulz
Die personifizierte Unglaubwürdigkeit_ Martin Schulz
Datum: 25.01.2018 - 07:42 Uhr
Als besonders glaubwürdig galt Schulz in seiner politischen Laufbahn noch nie. Als EU-Parlamentspräsident hat er nachweislich Sitzungsgelder eingestrichen, obwohl er bei diesen Sitzungen regelmäßig durch Abwesenheit glänzte. Nach seinen etlichen Jahren in den Elfenbeintürmen der Brüsseler Politik, wo man sehr erleichtert darüber war, dass Schulz dieses Pflaster verlassen musste, tauchte er in der bundesdeutschen Politik auf. Für viele Bürger des Landes jedoch war Schulz ein unbeschriebenes Blatt. Das ist wenig verwunderlich, denn die Sitzungen des EU-Parlaments sind für die deutschen Wähler in etwas gleich interessant wie eine Sitzung des Kreistags Osterholz-Scharmbeck (oder eines anderen beliebigen Kreistags).
Schulz, der etliche Jahre auf dem EU-Politparkett verbracht hatte, trat vor etwa einem Jahr vollmundig vor das Publikum. Er, der etliche hunderttausend Euro im Jahr steuerfrei einstrich, gab zu Protokoll, dass er die Sorgen von Otto Normalbürger verstünde. Er wisse, wie es sei, wenn am Ende des Geldes noch Monat übrig sei. Schulz versuchte sich, als Bürgerversteher zu inszenieren. Doch schon damals wollte und konnte ihm das niemand so recht glauben. Die Medien entfachten zwar einen sogenannten Hype um Schulz und für einen Moment schien es, als sollte der siechenden Patient SPD noch einmal der Gruft entsteigen können. Schulz übernahm den Vorsitz von Gabriel und wurde mit 100 Prozent der Stimmen zum neuen Heilsbringer der Partei gekürt.
Die SPD stieg in Umfragen und es schien, als sollte sich ein echter Herausforderer für die ewige Merkel herauskristallisieren. Doch dann hielt Schulz seine erste Rede und die gesamte Inszenierung brach in sich zusammen. Jeder kennt dieses Geräusch, wenn man bei einem aufgeblasenen Luftballon das Mundstück jeweils rechts und links zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und dann leicht auseinanderzieht. Genau dieser quäkende Ton ist das einzige, was von den Schulz-Reden in Erinnerung bleibt. Denn Substanz hatten seine Aussagen keine.
Dementsprechend gingen auch die Wahlkämpfe, die Schulz unterstütze, für die SPD komplett in die Hose. Das reicht von der Oberbürgermeisterwahl in Darmstadt über die Landtagswahlen bis zur Bundestagswahl. Lediglich der SPD-Spitzenkandidat in Niedersachsen verzichtete dankend auf Schulzens »Hilfe« im Wahlkampf - und gewann die Landtagswahl. Mit seinem aktuellen Schlingerkurs seit der Bundestagswahl verspielt Schulz nun die letzten Fragmente seiner Glaubwürdigkeit. Doch es gibt auch einen einfachen Hintergrund: geht die SPD nicht in eine Große Koalition sondern in die Opposition, wird sich die Partei dort runderneuern. Und für Schulz gibt es dann keinen Platz mehr auf den vorderen Rängen. Also muss er die GroKo umsetzen. Sonst tritt er nach nur einem Jahr endgültig von der großen politischen Bühne ab.
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