Deutschlands Target-Saldo kurz vor der Billionengrenze

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Deutschlands Target-Saldo kurz vor der Billionengrenze
Datum: 19.07.2018 - 08:47 Uhr

Ein Instrument des Handels innerhalb der am Euro beteiligten Länder ist »Target« (=> Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer system). Mit diesem Zahlungssystem wickeln die einzelnen Länderzentralbanken Überweisungen untereinander ab. Die aktuelle Version dieses Zahlungs- und Verrechnungssystems ist »Target 2«.

Die Besonderheit von Target 2 besteht darin, dass nicht nur Waren und Dienstleistungen gegen unmittelbare Kasse, also Begleichung der Rechnung, bezogen werden können. Die Kunden können auch auf Pump kaufen, also auf Kredit. In einem solchen Fall wird der Beitrag dann auf dem Saldo der Gläubigerbank gegen die Europäische Zentralbank (EZB) gelistet. Eigentümer von Target ist nämlich die EZB.

Das klingt alles etwas komplizierter, als es im Grunde genommen ist. Die privaten und staatlichen Unternehmen in den Euro-Ländern tauschen Waren und Dienstleistungen grenzüberschreitend miteinander aus, verrechnet wird das alles über Target. So weit die Theorie. Faktisch aber werden die deutschen Produkte innerhalb der Euro-Zone deutlich mehr nachgefragt und konsumiert als dafür das Geld in die Kasse kommt. Die anderen Euro-Länder konsumieren zwar, begleichen aber ihre Zeche nicht.

Für den deutschen Außenhandel ist das insgesamt kein neues Phänomen. Die Außenstände der Bundesbank, die diese Forderungen sammelt, belaufen sich auf knapp zwei Billionen Euro (1,929 Billionen) und stellen damit hinter Japan die zweitgrößte weiltweite Forderungssumme dar. Aber mehr als die Hälfte dieser Summe beläuft sich aus Forderungen gegen Euro-Länder, also aus dem Target2-Saldo.

Und jetzt kommt die Crux an der Sache: die EZB ist Eigentümer von Target. Deutschland ist mit 18 Prozent Einlage an der EZB beteiligt. Deutschland garantiert also mit seiner Einlage für die Schulden, die andere Länder gegenüber Deutschland haben. Auch für die Schulden der Länder, die im Grunde genommen schon lange pleite sind, aber immer weiter Schulden machen dürfen. Die Wahrscheinlichkeit des finanziellen Kollaps und mit ihm einer unvorstellbaren Wirtschafts- und Finanzkrise steigt jeden Tag weiter.

Sven von Storch

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