Deutsche Kirchenfürsten (wieder einmal) auf dem Holzweg
Deutsche Kirchenfürsten (wieder einmal) auf dem Holzweg
Datum: 21.04.2017 - 10:06 Uhr
Die Einlassungen des Kölner Kardinal Woelki zur politischen Szene in Deutschland sind in der Zwischenzeit schon mehr berüchtigt als berühmt. Allerdings hält er sich bisher zu der bevorstehende Großveranstaltung in seiner Heimatstadt zurück. Dafür springen andere Kirchenfürsten in die Bresche und rufen zu Protestkundgebungen gegen den Parteitag der AfD auf. Sie haben sich sogar ein Motto dafür einfallen lassen: »Unser Kreuz hat keine Haken«. Dumm nur, dass die Geschichte der institutionalisierten Kirche in Deutschland mannigfaltig und nachhaltig das Gegenteil beweist.
In den dunklen zwölf Jahren unter der Ägide eines berüchtigten Schnauzbartträgers waren sowohl die organisierte katholische wie auch evangelische Kirche willfährige Helferlein der Regierung. Sie vertraten, mit wenigen Ausnahmen, nicht weniger inbrünstig die vorgegebene Linie als die staatlichen Institutionen. Selbst nach dem Zusammenbruch 1945 gelang es vielen SS-Angehörigen unter tatkräftiger Unterstützung der katholischen Kirche über den Weg der sogenannten »Rattenlinie« die Flucht aus dem besetzten Deutschland nach Südamerika.
Doch bereits in der Anfangszeit des besagten Regimes arrangierte sich insbesondere die katholische Kirche sehr gut mit den neuen Mächtigen im Lande. Nicht zuletzt der Abschluss des Reichskonkordats am 20. Juli 1933 sorgte für bestes Einverständnis. Als im März 1939 mit Pius XII. ein Hauptinitiator des Konkordats zudem noch Papst wurde, war das Einvernehmen zwischen der deutschen Regierung und der katholischen Kirche fest zementiert und sollte auch die Zeit nach der Kapitulation noch einige Jahre überdauern.
In der evangelische Kirchen hingegen spaltete sich aufgrund des eingeschlagenen Kurses die »Bekennende Kirche« von der vorgegebenen Linie ab. Initiatoren dieser Abspaltung waren unter anderem Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer.
Allein diese kurze Retrospektive zeigt, dass das Kreuz der institutionalisierten Kirchen in Deutschland durchaus Haken besitzt; das Motto dieses Aufrufs ist also schlicht und ergreifend falsch.
Zumal, und hier findet sich wieder eine Parallele mit der Vergangenheit, die derzeitigen Kirchenoberen wieder einmal voll auf die Linie der Regierung eingeschwenkt sind und deren Angriffe gegen Andersdenkende, Kritiker und Oppositionelle unterstützt. Mit dem Glauben der Menschen an Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist hat das nichts zu tun. Genau so wenig wie mit der originären Aufgabe der Kirche: die Lehre der Bibel, ein Ort der Gemeinschaft für Gläubige sein, gemeinsam das Abendmahl zu begehen und zusammen zu beten. DAS sind die Aufgaben der Kirche. Und sie täte gut daran, sich darauf zu besinnen.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment