Der Hype um Schulz hat ein Ende

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Der Hype um Schulz hat ein Ende
Datum: 28.02.2017 - 12:44 Uhr

Schulz versucht, seine Auftritte zu zelebrieren. Er gibt sich selbst als der Rächer der von der Merkel-Politik Entnervten; als Beschützer der Klein- und Kleinstverdiener. In seinen verbalen Ergüssen geht er gerne und umfangreich auf sein Schulversagen ein und räumt ein, dass er früher ein »Sausack« gewesen sei. Für ein paar Wochen kam diese burschikose Art auch bei den Wählern an. Doch nach und nach stellt sich die Gewissheit ein, dass Schulz nicht anderes ist als eine Merkel mit Bart, wie die »Welt« am 24. Februar titelte. 

Schulz gehört durch und durch zum politischen Establishment. Diesen Fakt aber versucht er zu verschweigen. Während landauf, landab gegenwärtig die Kandidaten für die Bundestagswahl nominiert und gewählt werden und eine parlamentarische Arbeit als besonders vorteilhaft von jedem der Nominierten erwähnt wird, schweigt sich Schulz über diesen Aspekt seiner Vergangenheit aus. Fast scheint es, als schämte er sich dafür, zwanzig Jahre als EU-Parlamentarier in den Elfenbeintürmen in Brüssel und Straßburg gesessen und fette Bezüge eingestrichen zu haben.

Es hat den Eindruck, als dass diese zwanzig Jahre im EU-Parlament, fern der so gerne von Schulz vorgespielten Bürgernähe, abträglich für seine Glaubwürdigkeit seien. Wer so wie Schulz sich üppigst aus den Fleischtöpfen des EU-Parlaments bedienen durfte (und hat), dem wird der Wähler nur schwerlich abnehmen, dass er sich der Sorgen des Normalverbrauchers, des kleinen Angestellten, Arbeiter und Beamten annehmen kann. Und genau das ist des Schulzes Crux: sein Thema ist die soziale Gerechtigkeit. Ein Feld, von dem er in den letzten zwanzig Jahren so weit entfernt war wie kaum ein anderer deutscher Spitzenpolitiker.

So beginnt man bereits jetzt in den Reihen der SPD zu befürchten, dass sich die Ereignisse um Scharping im Wahlkampf 1994 wiederholen werden. Auch bei Scharping gingen die Zustimmungswerte zu Beginn des Wahlkampfs gegen Kohl durch die Decke. Letztlich aber, das ist bekannt, gewann Kohl die Wahl und Scharping durfte sich nach der Wahl an der Position als Oppositionsführer »erfreuen«. Bei der darauffolgenden Bundestagswahl trat dann Gerhard Schröder als Kandidat der SPD an; Scharping war politisch verbrannt.

Sven von Storch

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