Demografie der nächsten Jahren entscheidet über Weltpolitik

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Demografie der nächsten Jahren entscheidet über Weltpolitik
Datum: 01.06.2017 - 12:00 Uhr

Das Video zur Studie: Demografie der nächsten Jahren entscheidet über Weltpolitik

Im Jahr 2045 werden in den USA die »Kaukasier« (US-Amerikanisch für die »Weißen«) zur Minderheit werden. Das prognostiziert das U.S. Census Bureau. Ein ähnlicher Trend ist in Europa zu beobachten. Damit wird dann der vorläufige Abschluss einer Entwicklung erreicht, die in den 1980er-Jahren begonnen hatte. Seit dieser Zeit setzt sich die Umwandlung beider Kontinente von relativ monolithischen zu multiethnischen oder multikulturellen Gesellschaften fort. Während in den USA diese Entwicklung durch die rasche Zunahme der lateinamerikanischen Bevölkerung voran getrieben wird, liegen die Gründe in Europa an der großen Zahl an Einwanderern aus Afrika und Asien.

Das native europäische Bevölkerungswachstum wird bald seinen Höhepunkt erreichen und dann wird der umgekehrte Trend, der bereits in Russland und Polen beobachtbar ist, einsetzen. Die Bevölkerung der Niederlande und Deutschland expandiert nur aufgrund der steigenden Zahl der nicht-westlichen Migranten der zweiten Generation. In kürzester Zeit (historisch gesehen) wird die europäische ethnische Zusammensetzung der von Brasilien oder Indien ähneln.

Doch signifikante demografische Veränderungen sind keineswegs auf Europa beschränkt. Die Bevölkerung von Afrika wird im Jahr 2100 etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen; der Anteil am weltweiten wirtschaftlichen Einkommen aber wird unverändert gering bleiben. Indiens Bevölkerung wird die von China übertreffen, die ihrerseits im Jahr 2030 auf dem Höhepunkt sein wird. Es werden also weit mehr Menschen in Afrika und Südasien leben als in Europa und Nordamerika.

Sollte also ein neoliberaler ökonomischer Ansatz zutreffend sein, dass wir alle gleich sind, sozusagen austauschbare Menschen, unabhängig von Rasse, Erbe oder Religion, dann gäbe es keinen Grund zur Annahme, dass Afrikaner nicht so produktiv sein sollten wie die Japaner und so effizient wie die Deutschen. Wenn dies der Fall ist, dann werden die schrumpfenden Populationen Europas, Japans, der USA und Chinas von den jungen, energischen, lebendigen Männern und Frauen Afrikas kompensiert, die, wie man sagt, erfolgreich den Weltwachstumsmotor übernehmen und behandeln.

Aber ein flüchtiger Blick auf den Zustand zahlreicher amerikanischer Städte mit afrikanisch-amerikanischen Mehrheiten, auf Haiti oder viele afrikanische Staaten begräbt derartige große Hoffnungen schnell. Das afrikanische historische Bewusstsein wurde von den Europäern geprägt, die Wirtschaft des Kontinents ist weiterhin von der technischen und finanzielle Unterstützung aus Europa abhängig. Fest steht nur eins: die bevorstehende Verschiebung der Demografie wird zu ethnischen Spannungen führen und einen tiefen Einfluss auf die Weltwirtschaft haben.

Sven von Storch

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