Das tritt nach meiner Erkenntnis...ist das sofort, unverzüglich!
Das tritt nach meiner Erkenntnis...ist das sofort, unverzüglich!
Datum: 09.11.2017 - 08:19 Uhr
Im Verlauf des Jahres 1989 hatten viele Bürger dem damaligen SED-Staat den Rücken gekehrt und waren über Ungarn aus dem kommunistischen Machtbereich geflohen. Andere hatten in den bundesdeutschen Botschaften, vor allem in Prag, Schutz gesucht, um Stasi und Co. entrinnen zu können. Die Protestbewegung, von den Leipziger Montagsdemonstrationen ausgehend, hatte die Menschen zwischen Ostsee und Erzgebirge, Harz und Oder-Neiße, auf die Straße gebracht, um friedlich für längst notwendige Änderungen einzutreten. Die Staatsmacht von Honecker und seinen Spießgesellen, der SED und dem ganzen Staatsapparat war längst gebrochen, als das Politbüro doch noch zu retten versuchte, was nicht mehr zu retten war: ihre Macht.
Ein neues Reisegesetz sollte den Abwanderungsdruck eindämmen, hatten der neue (ohn)mächtige Mann an der Spitze der SED, Egon Krenz, und seine Politbüromitstreiter ausbaldowert. Eine Ausreise solle »an allen Grenzübergangspunkten der DDR möglich« sein, ließ man in einer extra einberufenen Pressekonferenz durch Günter Schabowski mitteilen. Allerdings hatte man unterlassen, Schabowski darüber in Kenntnis zu setzen, dass mit dieser Entscheidung auch eine Sperrfrist verbunden sei.
Auf die Frage, ab wann dieses neue Reisegesetz denn gelte, blätterte Schabowski relativ unbeholfen und offensichtlich irritiert in seinen Unterlagen, bevor er dann die in der Zwischenzeit historischen Sätze in die versammelten Mikrophone stammelte: »Das tritt nach meiner Erkenntnis...ist das sofort, unverzüglich!« Es war etwa 19.00 Uhr am 09. November 1989. Etwa viereinhalb Stunden später wurden dann am Übergangspunkt Bornholmer Straße die Schlagbäume geöffnet - die Mauer war unwiderruflich gefallen.
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