Das Rathaus in Bordeaux brennt
Das Rathaus in Bordeaux brennt
Datum: 24.03.2023 - 10:59 Uhr
Macron hat seinen Willen in alter Gutsherren Manier durchgesetzt: sein Prestigeprojekt der Rentenreform wird nun Gesetz. Dass er sich dabei eines politischen Taschenspielertricks bediente, um diesen »Sieg« zu erlangen, nehmen ihm die Franzosen übel. Mit einer Art Notstandsparagraphen, dem Artikel 49.3 der französischen Verfassung, schaltete Macron die Nationalversammlung aus. Dort hätte über die Rentenreform ursprünglich abgestimmt werden sollen, wäre nach Expertenmeinung dort aber abgelehnt worden. Das war Macron zu riskant, er zog den »Universaljoker«.
Die Reaktion der auf diese Art und Weise gelinkten Franzosen ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten: sie zogen und ziehen zu Tausenden und Abertausenden durch die Straßen der französischen Städte und legen das ganze Land lahm. Macron hingegen zeigt sich uneinsichtig und feiert seinen »Sieg«. Wie sich schon jetzt zeigt, ist es eine Art Pyrrhus-Sieg. Denn die Verluste für Macron, sein ohnehin angeschlagenes Renommee und die Vorbehalte gegen ihn und seine Politik wie auch gegen ihn als Person sind derart enorm, dass ein politisches Ende absehbar ist.
Viel schlimmer aber ist, dass Macron nicht einmal ansatzweise zu erkennen vermag, dass er die an einem bis zum Rand gefüllten Pulverfass angelegte Lunte selbst angezündet hat. Nun beginnt das Land zu brennen. Das Rathaus in Bordeaux war das erste öffentliche Gebäude, das aktuell ein Raub der Flammen wurde. Zeitgleich gingen am gestrigen Donnerstag in Paris mehr als 800.000(!!) Menschen auf die Straße, um gegen Macron zu protestieren. Für das kommende Wochenende gilt in ganz Frankreich eine Art Ausnahmezustand. Alle Polizisten im Land, egal welcher Einheit sie zugehörig sind, wurden zum Dienst gerufen. Das Pech für Macron ist, dass viele der regulären Polizisten, die nicht seiner persönlichen Schlägertruppe angehören, sich mit den einfachen Menschen im Land solidarisch erklären. Sie werden, das haben die Sprecher der Polizeigewerkschaften und anderer Polizeigruppen bereits vorab verkündet, nicht gegen die gerechtfertigten Proteste ihrer Landsleute vorgehen.
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