Burggraf - der Fernsehtalk

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Burggraf - der Fernsehtalk
Datum: 18.01.2024 - 11:39 Uhr

Und dann freuen wir uns, Frau Matahari-Guillome von der ‚GröFAZ‘, der größten Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bei uns zu haben, eine geschätzte Kollegin und eloquente Beobachterin des Weltgeschehens in Berlin. Guten Abend, freu mich sehr, dass Sie beide da sind.“ (Kurzes Zettelordnen)

„Steigen wir gleich ein. Herr Lanz, Sie sind in Bruneck geboren. Wie geht es Ihnen damit?“ „Ich versteh nicht recht was…?“ „Nun ich zeige Ihnen ein paar Bilder. Wir schaun mal kurz rein…“ (Ein grisseliger Schwarz-Weiß-Film läuft ab. Zu sehen ist ein Junge von etwa 10 Jahren, der mit einer Schachtel in der Hand auf einem Gehweg entlangläuft, vor einem Denkmal kurz stehenbleibt, aufblickt, zu winken scheint. Er läuft aus dem Bild. Der Film bricht ab.)

„Ich versteh immer noch nicht….?“ „Sind Sie das?“ „Äh, was weiß denn ich, hier sieht man…“ „Nein, nein, nein, so läuft das nicht!“ (Burggraf richtet sich auf) „Was man hier sieht, kann ich ihnen sagen. Wir haben da mal ein bißchen recherchiert. Das auf dem Film sind Sie! Sie sind das!“ „Na, ich hab doch aber eben gesagt…“ „Moment Herr Lanz, nur kurz, ganz kurz. Ganz kurz. Herr Lanz, das! Sind! Sie!!“ „Ja und…? Ich versteh nicht?“ „Ja das glaube ich Ihnen, da will ich Ihnen helfen. Nun, was wir da sehen, Herr Lanz, und wo auch sie bewundernd hingesehen haben, ist das von Faschisten 1938 in Bruneck errichtete Alpini-Denkmal und was sie da in der Hand tragen, wir haben es mal ein bißchen vergrößern lassen, ist Konfekt. Wissen Sie was Konfekt ist?“ „Nein, was soll das sein? Ich verstehe nicht, was das Filmchen…“ „Ich erklär es Ihnen Herr Lanz. Ich erkläre es gern. Sie entlarven doch immer so gern völkische Russlandversteher. Richtig?“ „ Naja, ob man das so sagen kann…das…“ „Stopp! Herr Lanz! Nochmal in aller Klarheit… Sie laufen da als Schüler in Südtirol an einem faschistischen Denkmal vorbei, zeigen den Hitlergruß und haben eine Schachtel Süßigkeiten bei sich, die damals in Italien nicht erhältlich waren, sondern von russischen Agenten im Austausch gegen gewisse Gefälligkeiten verteilt wurden! Das ist es, was wir da sehen!“ "Aber…Herr Burggraf, bei aller Liebe, da muss man doch…“

„Nein, nein, einen Moment, Sie sind gleich dran. Ich würde jetzt gern mal Frau Matahari-Guillaume in die Runde holen und fragen wie sie das sieht." (Herr Burggraf richtet den Blick einen Platz weiter. Frau Matahari-Guillaume lehnt sich zurück.) „Das sehe ich genau wie sie Herr Burggraf, ich meine, die Bilder sprechen ja für sich. Ein Nazidenkmal. Das begeisterte Grüßen. Die Verbindungen in die Sowjetunion. Bisschen viele Zufälle, finden sie nicht, Herr Lanz? Wenn man dann noch weiß, dass Herr Lanz inzwischen halb Südtirol besitzt und das Denkmal immer noch steht, dann muss man nicht mehr viel sagen.“

„Aber das ist doch Quatsch…“ (Lanz rückt auf die Stuhlkante vor, Burggraf schlägt die Beine übereinander und lehnt sich wohlig zurück…) „Quatsch sagen sie? Ich meine, Sie als intelligenter Mensch, als Mann der Sprache und der Bilder, Sie müsste doch wissen, was das bedeutet, was wir hier alle gesehen haben. Ich meine, ich will Ihnen keineswegs zu nahe treten, aber meinen sie nicht auch, dass sie ihre Talksendung, die sie ja erfolgreich betrieben haben, keine Frage, aber dass Sie als moralische Instanz jetzt in schweres Fahrwasser geraten könnten?“ „Also, da müsste ich aber jetzt mal einiges richtig stellen…“ (Lanz treten Schweißperlen auf die Stirn, Burggraf zuckt ein süffisantes Lächeln übers Gesicht) „…wer sagt denn, dass das auf dem Film überhaupt ich bin?“ „ Ja, dachte ich mir. Moment. Herr Lanz, wir sind ja vorbereitet. Bitteschön. Wir schaun mal hier kurz rein…!“

(Ein weiterer, diesmal gestochen scharfer Film läuft im Hintergrund. Vor einem Kuhstall steht eine Bäuerin, etwa 90, mit Kopftuch und Brille, die Milchkanne in der Hand. Ihr wird ein Tablet vor die Nase gehalten.) „Frau Hofreiter, kennen Sie diesen Jungen?“ „Jo freili kenn ich den Buem, desch isser. Der Markus. Ja sicher doch…“ „Sehen Sie, wie er hier, schaun Sie bitte genau hin, wie er vor dem Denkmal die rechte Hand ausstreckt? Und meinen Sie nicht auch, dass das aussieht wie ein Hitlergruß?“ „Äh, ja jetzt wo sies soagn, könnte man…?“ „Prima, Dank Ihnen sehr Frau Hofreiter. Dank Ihnen sehr.“ Filmende.)

„Ja aber, Herr Burggraf, wollen Sie sagen, dass dieser uralte Film jetzt…“ „Ich will gar nichts sagen, wir haben ja alle gesehen was Sache ist. Herr Lanz, ich will nochmal betonen, ich schätze Sie sehr und ihre Verdienste für die deutsche Fernsehunterhaltung macht Ihnen hier ganz sicher niemand streitig. Leider läuft uns die Zeit davon. Immer wieder schön mit Ihnen zu plaudern. Ich danke Ihnen jedenfalls sehr fürs Gespräch. Hab heute wieder viel gelernt und würde mich freuen, wenn wir das bei nächster Gelegenheit mal wiederholen. Jetzt die Kollegen vom 'Heute-Journal Update' und wir sind nächste Woche wieder für Sie da.“

Sven von Storch

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