Briten wollen illegale Migranten nach Ascension abschieben
Briten wollen illegale Migranten nach Ascension abschieben
Datum: 15.08.2023 - 10:37 Uhr
Ascension gehört wie einige andere kleinere Inseln auch zu den Restgebieten des einstigen British Empire, die nach wie vor zu Großbritannien gehören. Die Insel ist keine 100 Quadratkilometer klein, liegt im Südatlantik irgendwo zwischen Afrika und Südamerika und es leben keine 1.000 Menschen auf ihr. Berühmter (und berüchtigter) als Ascension ist bei weitem ihre Nachbarinsel St. Helena, mit der sie samt der Inselgruppe Tristan da Cunha ein gemeinsames britisches Überseegebiet darstellen. Auf St. Helena verlebte Napoleon Bonaparte seine letzten Lebensjahre, nachdem er sich und die Schlagkraft seiner Armee vor der Schlacht bei Waterloo furchtbar überschätzt hatte.
Immer mehr Migranten durchqueren mit kleinen Booten den Ärmelkanal oder landen sogar in Gibraltar an. Die Regierung in London suchte nach Lösungen, um diese illegalen Migranten so schnell wie möglich von der Hauptinsel weg zu bekommen. Die Anmietung eines Gefängnisses in Ruanda war die A-Lösung, wird sich aber nach dem aktuellen Stand der Dinge nicht realisieren lassen. Daher dachte man sich in London einen Plan B aus. Da man ja noch ein paar »Restbestände« des einstigen British Empire zur Verfügung hat, zog man nun die Insel Ascension wie einen Joker aus dem Ärmel.
Staatsrechtlich gehört die Insel seit der Annektion 1816 zum britischen Staatsgebiet, der britische Monarch ist Staatsoberhaupt. Eine Verlegung der illegalen Migranten auf die Insel ist daher im weitesten Sinne eine Verlegung innerhalb der eigenen Staatsgrenzen. Von einer indigenen Inselbevölkerung ist kein Widerspruch zu erwarten, da es keine gibt. Erst nach der Entdeckung durch die Europäer, in diesem Fall durch die Portugiesen, wurden die Inseln besiedelt.
Auf Ascension leben etwa 800 Menschen, in erster Linie mit britischen Wurzeln. Da die Zentralregierung in London die Insel finanziell trägt - auf eigenen Beinen könnte man dort nicht stehen - dürfte daher auch der Widerspruch gegen diese Maßnahme relativ gering bleiben. Für die illegalen Migranten in Großbritannien geht es demnächst wohl ab in den Süden; sehr weit in den Süden. Die Entfernung von London nach Georgetown, dem Hauptort auf Ascension, beträgt ungefähr 6.750 Kilometer Luftlinie. Das ist zu weit, um diese Distanz mit einem Ruderboot zu überbrücken. Selbst William Bligh schaffte damals nur etwa 6.700 Kilometer.
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