Brasilien feiert 200 Jahre Unabhängigkeit

Veröffentlicht:

Brasilien feiert 200 Jahre Unabhängigkeit
Datum: 08.09.2022 - 10:35 Uhr

Brasilien ist das einzige Land Latein- und Südamerikas, in dem die Amtssprache Portugiesisch ist; in allen anderen Ländern ist sie Spanisch. Diese Besonderheit rührt vom Vertrag von Tordesillas aus dem Jahr  1494 her. Die damaligen Weltmächte Spanien und Portugal teilten die Welt in zwei Interessenssphären auf: Spanien bekam das damals noch weitestgehend unbekannte Amerika, Portugal hingegen Asien und Afrika. Grenzlinie war eine knap 500 Kilometer westlich der Kapverdischen Insseln gezogener Strich. So kam die Region, die heute als Brasilien bekannt ist, zu Portugal; der Rest der »Neuen Welt« ging zunächst an Spanien.

Die Kolonisation Brasiliens seitens der Portugiesen war, zu Beginn jedenfalls, relativ friedlich. Mit den indigenen Völkern machte man Tauschgeschäfte und holte Siedler aus dem Heimatland in die Kolonie. Die brachten leider auch viele Krankheiten aus Europa mit und so starben viele Indios innerhalb kurzer Zeit. Es folgte eines der dunkelsten Kapitel Porutgals: um die fehlenden Arbeitskräfte zu ersetzen, schaffte man hunderttausende Sklaven aus Afrika nach Brasilien.

Im Zuge der diversen europäischen Kriege, insbesondere der von Napoleon angezettelten, erreichten die Machtverschiebungen auch Brasilien. Weil 1821 der damalige portugiesische König João VI. auch gleichzeitig der König Brasiliens war, sein Thron in der Heimat aber wackelte, musste er, der sich zu der Zeit in Brasilien aufhielt, nach Portugal zurückkehren. Er übergab seinen Thron in Brasilien an seinen Sohn Pedro. Der machte sich umgehend daran, dort seinen Vater zu »entmachten«, rief am 7. September 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens aus und ernannte sich selbst gleichzeitig zum Kaiser von Brasilien: Pedro I.

Ganz unblutig war die Geschichte Brasiliens danach auch nicht: es gab Kriege mit den Nachbarn, gegen die Indios und gegen sich abspaltende Regionen. In den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts stand Brasilien auf der Seite der Alliierten, hielt sich aber weitestgehend aus Kampfhandlungen heraus. Die Entsendung von einer 25.000 Mann starken Einheit (Força Expedicionária Brasileira) zur Schlacht bei Monte Cassino in Italien (Januar bis Mai 1944) ist die einzige dokumentierte Beteiligung Brasiliens an diesen beiden Kriegen.

Von 1964 bis 1985 führte eine Militärdiktatur das Land. In dieser Zeit erlebte Brasilien einen massiven wirtschaftlichen Aufschwung. Vor allem viele bundesdeutsche Firmen investierten ins Land und entsandten Arbeitskräfte, Forscher und Entwickler. São Paulo galt in dieser Zeit als »größte deutsche Industriestadt außerhalb Deutschlands.«

1985 folgte dann die »Sechste Republik«, geführt von verschiedenen, mal mehr links, mal mehr rechts, orientierten Regierungen. 2003 wurde Luiz Inácio Lula da Silva (»Lula«) Präsident Brasiliens. Seine Amtsführung war von zahlreichen Skandalen um Korruption und Geldwäsche erschüttert, was ihm schließlich auch eine Verurteilung zu einer langjährigen Gefängnisstrafe einbrachte.

2018 wurde dann der jetzige Präsident Jair Bolsonaro gewählt, ehemaliger Hauptmann der  Fallschirmjäger. Bolsonaro ist bekennener Katholik. Da seine Frau und seine Kinder den Baptisten angehören, besucht er mit ihnen aber auch regelmäßig die Gottesdienste der Baptisten. Vor allem auf die Unterstützung dieser beiden Gruppen, die Katholiken und die Mitglieder der evangelikalen Freikirchen, kann Bolsonaro bauen.

Die in vielen westlichen Ländern propagierten »woken« Lebensgrundsätze lehnt Bolsonaro kategorisch ab:er ist ein Gegner der Legalisierung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften und gleichgeschlechtlicher Eheschließungen. Er spricht sich gegen Vorteilsgewährung oder Quoten für Afrobrasilianer aus und unterstützt das Drogenverbot.

Im aktuellen Wahlkampf, die Präsidentschaftwahl findet am 2. Oktober 2022 statt, setzt Bolsonaro auch weiterhin auf die von ihm bekannten Grundsätze. Insgesamt treten zwölf Kandidaten in der ersten Wahlrunde an, einzig ernsthafter Kandidat dürfte allerdings der wegen Korruption und Geldwäsche verurteilte »Lula« sein, der vom linken Mainstream ins Rennen gebracht wird.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.