Berichterstattung der GEZ-Sender vor Türkei-Stichwahl ein veritables Eigentor

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Berichterstattung der GEZ-Sender vor Türkei-Stichwahl ein veritables Eigentor
Datum: 22.05.2023 - 10:47 Uhr

Die Türkei geht in eine Stichwahl. Erdogan, der Bosporus-Despot, konnte trotz seiner fast schon medialen Omnipräsenz die erste Runde der Wahl nicht mit der erforderlichen absoluten Mehrheit gewinnen. Er erreichte 49,5 Prozent und muss nun in einer weiteren Runde sich mit seinem Herausforderer Kilicdaroglu messen. Dem war eine solche mediale Aufmerksamkeit nicht gegönnt. Darüber echauffieren sich jetzt hierzulande Altparteienvertreter und ganz besonders die GEZ-Medien. Sie sprechen von einer »Schlagseite« und »Ausgrenzung und Behinderung der Opposition«.

Ja, es stimmt, die türkischen Medien grenzen Kilicdaroglu aus. Daran gibt es keinen Zweifel. Fraglich aber ist, ob sich gerade die deutschen Altparteienvertreter und die GEZ-Medien darüber echauffieren und sich als Besserwisser aufspielen dürfen. Denn selbst hält man es ja auch nicht besser, wie eine Erhebung für das Jahr 2022 zeigt. In politischen Talkshows (Anne Will, Maischberger, Lanz, Maybritt Illner und Hart aber Fair) des vergangenen Jahres waren Politiker der SPD 129-mal vertreten. Die Union entsendete 125 Repräsentanten, die Öko-Soziallisten 100. Aus Lindners Truppe waren 67 Vertreter anwesend und sogar die mehrfach umbenannte SED durfte 34-mal auftreten. Die einzige in allen Parlamenten vertretene Oppositionspartei, die AfD, wurde genau 2-mal(!!) – in Worten: zwei Mal! – berücksichtigt.

So gehen die GEZ-Medien hierzulande mit der einzig waren Opposition um:  sie wird ausgegrenzt, zu verschweigen versucht, in der Öffentlichkeitsarbeit massiv behindert. Niemand von ARD und/oder ZDF hat daher auch nur ansatzweise das Recht, seine Nase über die Berichterstattung in der Türkei zu rümpfen oder sich als besser darzustellen versuchen. Das ist lächerlich.

Sven von Storch

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