Behörden in Hannover verschleppen Veröffentlichung von Fahndungsfotos

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Behörden in Hannover verschleppen Veröffentlichung von Fahndungsfotos
Datum: 16.12.2019 - 11:24 Uhr

Der öffentliche Personennahverkehr wird in den Metropolen hierzulande fast lückenlos überwacht, um Straftaten möglichst zu verhindern oder aber, um Straftäter so schnell wie möglich zu fassen und sie vor Gericht zu stellen. So weit zumindest die Theorie. Tatsächlich aber klaffen zwischen diesem Anspruch und der Umsetzung in die Praxis mitunter erhebliche Lücken. Besonders auffällig sind diese Lücken stets dann, wenn bei den Tätern ein bestimmter Hintergrund offensichtlich ist.

So auch in diesem Fall, der sich an Christi Himmelfahrt (30. Mai 2019) in der Linie 6 der Stadtbahn Hannover abgespielt hat. Drei Männer mit südländischen Erscheinungsbild gehen auf einen 20-Jährigen los, bepöbeln ihn zunächst, bevor einer der »Südländer« unvermittelt dem auserkorenen vermeintlichen Opfer ins Gesicht schlägt. Allerdings ist der 20-Jährige nicht ganz so opferbereit, wie es sich die drei Aggressoren erhofft hatten. Der zog nämlich sein Abwehrspray aus der Tasche und verpasste den Angreifern eine volle Ladung ins Gesicht, worauf alle drei die Beine unter die Arme nahmen und an der nächsten Haltestelle die Flucht ergriffen.

Selbstverständlich erstellte der 20-Jährige bei der Polizei eine Anzeige, die Fahndung wurde eingeleitet, blieb aber trotz Vorlage der von der Überwachungskamera aufgezeichneten Bilder erfolglos. Nach fast sieben Monaten(!!) entschieden sich dann die Behörden in Hannover endlich, Fahndungsfotos der drei Schläger zu veröffentlichen. Sieben Monate lang blieben diese Bilder unter Verschluss, sieben Monate lang hatten die drei »Südländer« unerkannt Gelegenheit, weitere Straftaten zu verüben.

Die Begründung für die Verschleppung dieser Bilder seitens der Behörden in Hannover: die Privatsphäre (der Täter, Anm. d. Red.) sei ein wertvolles Gut!

Wie effektiv die Veröffentlichung von solchen Fahndungsbildern ist, zeigt sich auch in diesem Fall. Alle drei Täter haben sich der Polizei gestellt. Das hätte schon vor fast sieben Monaten erfolgt sein können.

Sven von Storch

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