Bayrischer Richter lässt Kreuz im Gerichtssaal abhängen
Bayrischer Richter lässt Kreuz im Gerichtssaal abhängen
Datum: 19.01.2018 - 10:04 Uhr
In Bayern gehört das christliche Kreuz in vielen öffentlichen Gebäuden zum obligatorischen Erscheinungsbild, seien es Amtsgebäude der Stadtverwaltung, Schulen oder auch Gerichte. An allen Ecken und Enden des Landes findet man große und kleine errichtete christliche Kreuze und Kruzifixe aus den verschiedensten Materialien. In den weiten Landschaften steht hie und da eine kleine Kapelle, Wegkreuze flankieren die Straßen, Flurkreuze die Wiesen und Weiden. Das christliche Kreuz gehört zu Bayern wie die Weißwurst, die Maß oder das Oktoberfest. Zumindest war das bisher so.
Doch ein Richter am Amtsgericht in Miesbach sieht das offensichtlich anders. Vor dem Gericht sollen alle gleich sein, heißt es. Vor diesem Amtsgericht wurde bisher immer unter dem christlichen Kreuz verhandelt. Da war es egal, ob der Angeklagte Christ war, Jude, Atheist oder vielleicht sogar an das fliegende Spaghettimonster glaubte - das Kreuz hing an seinem Platz und wurde bestenfalls abgehängt, wenn der Raum mal wieder gestrichen wurde.
Doch jetzt steht ein 21-jähriger Afghane, der sich zur Ideologie des radikalen Islam bekennt, eben vor jenem Gericht. Unter anderem deshalb, weil er einen zum Christentum konvertierten Landsmann mit dem Tod bedroht hat. Weil der Angeklagte dem Islam zugehörig ist, wurde jetzt ganz rasch das Kreuz abgehängt. Der junge Mann solle sich schließlich vor Gericht nicht in seiner »Glaubensfreiheit beeinträchtigt fühlten«. Ein Verhandeln unter dem Kreuz könne eine »unzumutbare innere Belastung darstellen«, wie es dazu in einem Bericht der »Welt« heißt.
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