Astrid Lindgrens Bücher sollen wegen angeblichen Rassismus verbrannt werden
Astrid Lindgrens Bücher sollen wegen angeblichen Rassismus verbrannt werden
Datum: 20.07.2017 - 07:58 Uhr
Jedes schwedische Kind kennt Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump und ihre Abenteuer, die von Astrid Lindgren vor mehr als 70 Jahren ausgedacht und niedergeschrieben wurden. Mehr als 66 Millionen Bücher über das kleine sommersprossige Mädchen mit den hellroten Zöpfen und der markanten Zahnlücke wurden verkauft, die Geschichten in 70 Sprachen übersetzt. Und bis vor rund zehn Jahren hat sich niemand wirklich daran gestört, dass Pippis Vater in den Büchern »Negerkönig« in der Südsee ist.
Auch, dass sie mit einem nicht artgerecht gehaltenen Affen und einem noch weniger artgerecht gehaltenen Schimmel gemeinsam in der Villa Kunterbunt lebt, kein Erziehungsberechtigter in erreichbarer oder verfügbarer Nähe ist, sie sich unregelmäßig und falsch ernährt, ohne Fahrerlaubnis ein fliegendes Auto steuert und noch etliche andere, heute weder erziehungswissenschaftlich noch politisch korrekte Handlungen vornimmt, hat über etliche Jahrzehnte wirklich nur einen verschwindend geringen Promilleanteil der Leserschaft irritiert.
Doch das ist jetzt vorbei. Jetzt macht man in Schweden Nägel mit Köpfen. Die Abenteuer von Pippi Langstrumpf werden aus den Bücherregalen der öffentlichen Bibliotheken verbannt. Der Inhalt sei rassistisch, heißt es dazu in einem Bericht aus Botkyrka, der exemplarisch für zahlreiche andere Regionen ist.
Das allein sorgt bereits dafür, dass den Schweden eine Zornesader auf der Stirn schwillt. Doch was das Fass zum Überlaufen bringen könnte, sind die Meldungen darüber, dass die ausrangierten Bücher verbrannt werden sollen. Die Berichterstattung in den schwedischen Medien (u. a. Expressen) lässt zumindest darauf schließen, dass hier ein ganz heißen Eisen angefasst wurde, welches die schwedische Seele tief bewegt. Bücher aus ideologischen Gründen zu verbrennen, so der in Schweden sehr bekannte investigative Journalist Janne Josefsson, sei etwas, dass ihn veranlasst, »Stopp« zu sagen. Man könne Bücher nicht einfach verbrennen, bloß weil sie im Laufe der Zeit unangepasst wirken. So hat man damals gedacht, gesprochen und geschrieben. Das ist ein Zeugnis der damaligen Zeit und muss als solches erhalten bleiben, so Josefsson.
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