Armut in Niedersachsen auf Höchststand
Armut in Niedersachsen auf Höchststand
Datum: 26.10.2016 - 09:52 Uhr
Fast jeder sechste Mensch in Niedersachsen ist von Armut betroffen. Das geht aus dem neuesten sozioökonomischen Disparitätenbericht für Deutschland hervor. Insgesamt betrifft das rund 1,2 Millionen Personen; das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 15,9 Prozent des Landes. Diese Entwicklung ist ein Beleg dafür, dass Deutschland wirtschaftlich und sozial immer weiter auseinanderdriftet. In dem Bericht wird nicht nur von »Gewinner- und Verliererregionen« sondern auch von einer »zunehmenden Unwucht zwischen den Landesteilen« gesprochen.
Die Erkenntnisse sind nicht neu. Allerdings sind die Reaktionen der Politik zur Bekämpfung der Armut nach wie vor gleichbleibend bei Null. Statt konkrete Maßnahmen gegen die Armut zu ergreifen, verlieren sich die Diskussionen der Altparteien in Definitionsbestimmungen darüber, wann man von Armut sprechen könne, solle und dürfe.
Die paritätischen Wohlfahrtsverbände und andere soziale Institutionen haben diese Begriffe dagegen klar definiert. Auch überregional gibt es klare Bestimmungen. In Deutschland wird man absolute Armut relativ selten finden. Denn nur wer weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hat, gilt als absolut arm. Dagegen ist die relative Armut in Deutschland weit verbreitet. Als relativ arm gilt man dann, wenn das eigene Einkommen deutlich unter dem mittleren Einkommen des Landes liegt. Wessen Einkommen in Deutschland weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt, ist daher analog zu der Begriffsbestimmung relativ arm.
Dazu gehören auf jeden Fall alle ALG-II-Bezieher, aber auch viele Ruheständler, Niedriglohnbezieher und vor allem Kinder. Kinder laufen Gefahr, der Spirale der Armut nicht entfliehen zu können. Denn laut der Studie bleiben arme Menschen häufiger dauerhaft arm, während sehr reiche sich zunehmend sicher sein können, ihre Einkommensvorteile zu behalten.
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