Armenien ruft nach Angriffen aus Aserbaidschan Kriegszustand aus
Armenien ruft nach Angriffen aus Aserbaidschan Kriegszustand aus
Datum: 29.09.2020 - 10:57 Uhr
Die Auseinandersetzungen in und um die Region Bergkarabach sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Im Mittelalter lebten dort christliche Armenier, die sich über die Jahrunderte gegen die rings um sich herum stattfindende Islamisierung zur Wehr setzen konnten. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Region zu Russland, löste sich aber nach der russischen Revolution 1917 als Bestandteil der Republik Armenien zeitgleich mit der sich ebenfalls als unabhängig erklärten Republik Aserbaidschan aus dem Zarenreich. Der Streit um die Region entzündete sich daran, dass beide neue Republiken Anspruch auf die Region erhoben, die in Kriege ausarteten. 1921 marschierten sowjetische Truppen in beide Länder ein, annektierten die Kurzzeit-Republiken und teilten Bergkarabach auf. Allerdings blieb die Tatsache, dass nach wie vor dort überwiegend christliche Armenier lebten, die immer wieder unter Angriffen der muslimischen Aserbaidschaner zu leiden hatten.
1988, nachdem die Sowjetunion es aufgegeben hatte, für Ruhe in der Region zu sorgen, eskalierte der Konflikt erneut. In Bergkarabach riefen Christen im September 1991 die international nicht anerkannte unabhängige Republik Arzach aus, die faktisch von Armenien unterstützt wird.
Aktuell marschieren muslimische Truppen aus Aserbaidschan im Süden und Nordosten von Bergkarabach in das von Christen gehaltene Territorium vor. Panzerkräfte, Artillerie, Infanterie und sogar die Luftwaffe der aserbaidschanischen Streitkräfte sind in den Angriff involviert, der momentan aber noch von den christlichen Verteidigern abgewehrt werden kann. Mehrer angreifende Panzer und sogar ein Kampfflugzeug sollen zerstört worden sein, so der armenische Ministeriumssprecher Arzun Owannissjan am Montag in Eriwan.
Die islamische Regierung Aserbaidschans hofft auf die vom türkischen Despoten Erdogan versprochene militärische Unterstützung. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Türkei respektive ihr Vorgänger sich an einem Genozid gegen die Armenier beteiligt. Allerdings ist es durchaus möglich, dass Erdogan hier den Mund etwas zu voll genommen hat. Hinter den Armeniern steht das ebenfalls christliche Russland. Noch hält man sich in Moskau mit offensiven Worten zurück, hat aber bereits durchblicken lassen, dass man nicht gewillt ist, zuzusehen, wie ein befreundetes Land angegriffen wird.
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