Angehörige von Berliner Terror-Opfer soll mit 20.000 Euro abgespeist werden

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Angehörige von Berliner Terror-Opfer soll mit 20.000 Euro abgespeist werden
Datum: 19.01.2017 - 08:24 Uhr

Wochenlang zierte sich der Bundestag vor einer öffentlichen Andacht zum Gedenken der zwölf Opfer eines Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt. Erst durch massive öffentliche Kritik sah man sich offensichtlich fast schon genötigt, diese im Grunde genommen selbstverständliche Gedenkveranstaltung heute durchzuführen.

Nicht minder schäbig wie den Opfern verhält man sich auch deren Angehörigen gegenüber. Der »Focus« berichtet vom Fall der 22-jährigen Studentin Valeriya, die durch den Terroranschlag beide Elternteile verlor und so innerhalb von Sekunden zur Vollwaise wurde. Auf Unterstützung, so heißt es in dem Bericht, wartete die junge Frau lange vergeblich. Der Focus bezieht sich dabei auf Recherchen der »Bild«, die unter anderem ein mit dem Handy der Eltern gemachtes Foto veröffentlichte, welches keine zehn Minuten vor dem Terroranschlag aufgenommen wurde.

Die 22-jährige lebte laut Bericht noch bei den Eltern; als Studentin ohne staatliche Zuschüsse konnte sie sich keine eigene Wohnung leisten. Ihr Einkommen bestand aus einem Taschengeld, welches sie von den Eltern erhielt. Durch den Anschlag eines Terroristen, der sich zum Zeitpunkt der Tat schon längst nicht mehr in Deutschland hätte aufhalten dürfen, ist für Valeriya ihre gesamte Existenz zusammengebrochen. Und neben dem Verlust der Eltern stellte sich für die Studentin sehr schnell eine ganz banale finanzielle Notlage ein.

Hilfeersuchen bei diversen deutschen Behörden brachten keinen Erfolg. Valeriyas Eltern hatten ein Haus gebaut und zahlten regelmäßig ihre Raten ab. Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, an Gauck und an das Landesamt für Gesundheit und Soziales blieben unbeantwortet. Seitens der Bürgerberatung der Stadt Berlin habe man ihr mitgeteilt, dass der Bürgermeister »kein kleiner König« sei, der das Geld aus einer Schatulle verteilen könne.

Dass es mit der Opferhilfe auch anders gehen könnte, wenn man denn wolle, wurde in der Vergangenheit in diesem Land schon oft bewiesen. Allerdings setzten sich diese Opfer aus einem anderen Personenkreis zusammen. Bei jenen Opfern bedurfte es auch keines öffentlichen Sturms der Entrüstung, bevor man sich endlich zu einer Gedenkveranstaltung durchgerungen hatte. 

Sven von Storch

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